Die Schwarzen Hochburgen fallen reihenweise

Dass die CDU in der Region Stuttgart der Platzhirsch ist, galt als verbrieft. Bis Sonntag: Da verlor die Union elf von 13 Direktmandaten an die Grünen.

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Auch die Wähler in der Region votierten mehrheitlich grün.  Foto: 

Es war abzusehen, dass die Grünen in der Landeshauptstadt ihre Vormachtstellung bei der Landtagswahl ausbauen würden - so kam es dann auch. Seit Sonntag ist aber auch klar: Die Öko-Partei ist kein Phänomen von Groß- und Unistädten mehr - sie ist in der Fläche angekommen. Das lässt sich auch in der Region Stuttgart, bislang schwarze Hochburg, ablesen, wo sie der CDU elf ihrer 13 Direktmandate abnahm. Sieben Unionspolitiker ziehen immerhin noch über die Zweitauszählung in den Landtag ein. Die SPD kommt auf fünf, AfD und FDP auf jeweils zwei Zweitmandate. Ein Überblick.

Landkreis Böblingen: Von 2009 bis 2014 war Thekla Walker Stadträtin in Stuttgart, seit 2011 ist sie eine der beiden Grünen-Vorsitzenden in Baden-Württemberg. Jetzt kann sie sich obendrein mit dem Direktmandat im Wahlkreis Böblingen schmücken. Das luchste sie CDU-Mann Paul Nemeth mit einem hauchdünnen Vorsprung (27,7 zu 27,6 Prozent der Stimmen) ab. Der Christdemokrat war zuvor bereits zwei Legislaturperioden im Landtag gesessen - und wird dort auch bleiben. Per Zweitmandat. Genauso wie seine Parteikollegin Sabine Kurtz, die im Wahlkreis Leonberg-Herrenberg dem Grünen Bernd Murschel (31,9 Prozent) den Vortritt lassen musste.

Landkreis Esslingen: Vor fünf Jahren hatte Thaddäus Kunzmann im Wahlkreis Nürtingen die Nase noch deutlich vorn, doch dieses Mal war die Popularität seines Kontrahenten zu groß: Ministerpräsident Winfried Kretschmann hob Kunzmann aus dem Sitz - er wird nicht mehr im Landtag vertreten sein. Im Wahlkreis Esslingen hat sich Andrea Lindlohr, die bisherige Vize-Vorsitzende der Grünen im Landtag, an die Spitze gesetzt. Zwei weitere Parteien entsenden einen Abgeordneten in den Landtag: die CDU den bisherigen Direktmandatsträger Andreas Deuschle sowie die SPD den Landtagsvizepräsidenten Wolfgang Drexler, der mit 16,4 Prozent der Stimmen deutlich über dem Landesergebnis seiner Partei liegt. Auch der Wahlkreis Kirchheim entsendet drei Abgeordnete: den grünen Sieger Andreas Schwarz, den enthronten CDU-Mann Karl Zimmermann übers Zweitmandat sowie Andreas Kenner von der SPD.

Landkreis Göppingen: Ein schwarzer Punkt im Grün-Grün dieser Landtagswahl: Mit einem blattdünnen Vorsprung von 0,4 Prozent hat die Christdemokratin Nicole Razavi ihr Direktmandat gerettet. Sie teilt sich die Abgeordnetenrolle im Wahlkreis Geislingen erneut mit dem SPD-Mann Sascha Binder. Im Nachbar-Wahlkreis Göppingen setzte sich hingegen der Grüne Alexander Maier durch. Trotz herber Stimmenverluste schaffte zudem der Staatssekretär im Finanz- und Wirtschaftsministerium, Peter Hofelich (SPD), den Wiedereinzug ins Landesparlament. Ebenfalls ein Zweitmandat heimste der AfD-Mann Heinrich Fiechtner (17,4) ein. Der Mediziner stammt aus Stuttgart, sitzt dort im Gemeinderat - unter anderem neben Parteikollege Bernd Klingler, der in Stuttgart angetreten war, den Einzug in den Landtag aber verpasst hat.

Landkreis Ludwigsburg: Seit den 90er Jahren saßen Claus Schmiedel (SPD) und Klaus Herrmann (CDU) für den Landtagswahlkreis Ludwigsburg im Parlament. Jetzt müssen sie ihre Koffer packen. Jürgen Walter, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, kann sich hingegen freuen: Der Grüne aus Asperg holte das Direktmandat. Die anderen beiden direkt gewählten Grünen-Kandidaten aus dem Kreis Ludwigsburg heißen Markus Rösler (Wahlkreis Vaihingen) und Daniel Renkonen (Wahlkreis Bietigheim). Letzterer erhält Gesellschaft von CDU-Mann Fabian Gramling, der über die Zweitauszählung ein Ticket zog. Ein solches hätte der Pfarrer Thomas Reusch-Frey (SPD) freilich auch gern wieder gehabt, wurde aber enttäuscht.

Rems-Murr-Kreis: Den zweiten schwarzen Akzent in puncto Direktmandate in der Region Stuttgart findet man im Rems-Murr-Kreis. In den Wahlkreisen Waiblingen und Schorndorf siegten mit Wilhelm Halder und Petra Häffner zwar auch die grünen Kandidaten, im Wahlkreis Backnang indes konnte sich der amtierende Landtagspräsident Wilfried Klenk mit 27,7 Prozent der Stimmen behaupten. Das Zweitmandat ging an den Spitzenkandidaten der AfD, Jörg Meuthen (19,7). Weitere Zweitmandate im gesamten Rems-Murr-Kreis gingen an Siegfried Lorek (Waiblingen) und Claus Paal (Schondorf) von der CDU, SPD-Mann Gernot Gruber (Backnang) sowie Ulrich Goll (Waiblingen) und Jochen Haußmann (Schorndorf) von der FDP.

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