Lachen ist die beste Medizin

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Die Arme hoch und fröhlich sein: Lach-Yoga-Trainerin Susanne Klaus (rechts) mit ihrem Kurs.  Foto: 

Auf Kommando lachen? Das kann man bei Susanne Klaus lernen. Die Gründerin der ersten Stuttgarter Lachschule bietet abendliche Lach-Yoga-Kurse an. In der Obertürkheimer Praxis ist das Licht gedimmt, ein großer Raum leergeräumt. Nur eine brennende Kerze vermittelt Ruhe. Sie ist mit Smileys dekoriert – ein Motiv, das man an diesem Abend noch öfter auf T-Shirts, Schals oder Socken sehen wird.

Nach und nach treffen die Kurs­teilnehmer ein, mehr Frauen als Männer, aus allen Altersklassen. Es handelt sich nicht um eine Truppe, die von vornherein durch ihren Frohsinn hervorsticht. Manche machen nach einem Arbeitstag eher einen matten oder, wie zwei Neulinge, nervös-neugierigen Eindruck. Die Schuhe bleiben im Vorraum, leise Hintergrundmusik ertönt. Mit einem strahlenden Lächeln begrüßt Susanne Klaus die Teilnehmer des Abends.

Unter den vielen Yoga-Strömungen ist das Lach-Yoga eine junge Disziplin. 1995 von dem indischen Arzt Madan Kataria entwickelt, haben sich seitdem in über 106 Ländern Lach-Clubs gegründet. Lach-Yoga heißt es, weil die Übungen auf der Tiefenatmung des Yoga basieren und das Lachen durch einfache körperliche Übungen unterstützt wird.

Zur Einstimmung bewegen sich die Teilnehmer frei im Raum, bilden dann einen Kreis und begrüßen sich auf indische Art mit vielen Verneigungen und vor der Brust gekreuzten Armen – und natürlich lachend. Zu den weiteren Übungen gehören  das fiktive Mixen und Austrinken eines indischen Lassi-Trunks, das erst von einem tiefen, herzhaften, dann von einem hellen, hohen Lachen begleitet wird. Ganz zum Schluss wird die Lach-Rakete gezündet, die in drei Stufen abbrennt und in Gelächter explodiert. Als krönender Abschluss wird im Liegen gelacht: sechs bis acht Minuten lang am Stück.

Bei allen Übungen können sich die Lach-Yogis, wie sich die Teilnehmer nennen, immer an Susanne Klaus orientieren. Ihr Lachen ist laut, herzhaft und fröhlich, es füllt den ganzen Raum. Sie selbst hat 2004 das erste Mal mit dem Lach-Yoga Bekanntschaft gemacht. „Hoffentlich sieht mich hier keiner“, erinnert sie sich an die ersten Versuche. Anfangs fand sie die Übungen befremdlich, „aber ich habe mich gleich gut dabei gefühlt“. Viele Kurse folgten, bis sie selbst die Ausbildung als Lach-Yoga-Trainerin machte, ihren Job als Betriebswirtin an den Nagel hängte und 2005 die Stuttgarter Lachschule gründete.

Dursum Demiraly aus Stuttgart nimmt seit einem knappen Jahr am Yoga teil. „Ich freue mich jedes Mal auf den Abend. Ich lache zwar außerhalb des Kurses nicht mehr als vorher, aber mein Leben ist insgesamt bewegter geworden und fühlt sich dadurch besser an.“

Muskelkater vom Lachen

Das Konzept des Lach-Yoga basiert auf der Erkenntnis, dass der Körper nicht unterscheidet, ob das Lachen gespielt oder echt ist. Beide Formen haben dieselbe entspannende Wirkung auf Körper und Geist. Zehn Minuten Lachen sind für das Herz-Kreislauf-System so effektiv wie 30 Minuten Joggen. Deshalb könne man durchaus in den nächsten Tagen leichten Muskelkater spüren, sagt die Lach-Trainerin.

Susanne Klaus hat gerade selbst einen Todesfall in der Familie zu verkraften. Dennoch kann sie im Training ohne Anstrengung lachen und fühlt sich dabei hinterher besser. „Trübe Gedanken machen das Leben nicht besser“, sagt sie. „Auch wenn man trauert, kann man mitmachen und damit die Gedankenspirale durchbrechen. Es gibt eigentlich fast keine Person, bei der Lach-Yoga nicht funktioniert.“

Martina Erdmanhaus aus Stuttgart ist seit letztem Herbst in der Gruppe. Sie will demnächst selbst eine Ausbildung zur Trainerin beginnen. „Ich kann jetzt auch im Alltag schneller mitlachen, selbst wenn ich mich nicht gut fühle. Ich praktiziere auch normales Yoga. Aber Lach-Yoga ist sehr viel intensiver.“

Info www.stuttgarter-lachschule.de

Hormone Don’t worry, be happy: Bobby McFerrin hat Recht. Beim Lachen werden Endorphine freigesetzt und Adrenalin unterdrückt. Die Glückshormone fördern das Wohlbefinden nicht nur subjektiv, sondern auch wissenschaftlich nachweisbar.

Therapie Auch die Aktivität von Immunsubstanzen steigt mit dem Lachen – möglicherweise eine Erklärung dafür, dass Menschen mit positiver Lebenseinstellung seltener erkranken. Inzwischen nutzt auch die klassische Medizin die Erkenntnisse aus der Lachforschung und setzt sie unter anderem in der Schmerzbehandlung ein. bw

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