Der Hollywood-Titan: Carl Laemmle

Das Haus der Geschichte verbessert seinen Brandschutz, speckt wegen der Umbauten aber sein Jahresprogramm nicht ab. Höhepunkt wird die Schau über den schwäbischen Filmpionier Carl Laemmle sein.

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Der aus Laupheim stammende Carl Laemmle hat Filmgeschichte geschrieben. Das Haus der Geschichte arbeitet an einer Ausstellung über den Geschäftsmann, der Hollywood erfunden hat.  Foto: 

Aufatmen im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Wegen der Arbeiten für einen besseren Brandschutz war ursprünglich vorgesehen, ganze Stockwerke zu schließen. "Das ist vom Tisch", sagte am Donnerstag Museumsleiter Thomas Schnabel. Zwischen April und September werden lediglich einzelne Abteilungen zeitweise gesperrt. "Wir pausieren nicht", versprach Schnabel, "wir machen den Besuchern durchgängig ein zusätzliches, vielfältiges und vor allem hochaktuelles Angebot." Der Leiter rechnet mit einem Ende der Modernisierung im Sommer.

Schnabel muss wegen der Umbauten freilich den Start der nächsten Sonderausstellung verschieben. Statt im Juni/Juli öffnet die vorgesehene Schau über den schwäbisch-amerikanischen Filmpionier Carl Laemmle erst im Dezember. Das Haus der Geschichte widmet dem Gründer des Universal-Konzerns laut Schnabel eine erste umfassende biografische Ausstellung. Sie wandert später weiter in Laemmles Heimatstadt Laupheim. Requisiten, Filmplakate, Korrespondenzen und persönliche Gegenstände werden das Leben des Mannes illustrieren, der Hollywood zur Traumfabrik machte.

Das Kuratorenteam beleuchtet dabei ein wenig bekanntes Kapitel der Biografie Laemmles. Bis zu seinem Tod 1939 ermöglichte der aus einer jüdischen Familie stammende Filmproduzent wahrscheinlich 300 deutschen Juden die Einreise in die USA. Er besorgte ihnen sogenannte Affidavits. Mit diesen Bürgschaften garantierte er den US-Behörden, dass die Einwanderer dem Staat nicht zur Last fallen. Außerdem vermittelte er ihnen Jobs in seiner Filmstadt Universal City.

Mit dem Thema Flucht und Migration beschäftigt sich das Haus der Geschichte seit Jahren. Der Südwesten gehörte im 18. und 19. Jahrhundert zu den Hauptauswanderungsgebieten des Deutschen Reichs. Baden-Württemberg ist das Bundesland mit der höchsten Zuwanderungsquote seit der Gründung der Bundesrepublik. "Daraus kann man sehr viel lernen für unsere heutige Situation", sagt Schnabel. Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger will mit den Angeboten der Museumspädagogik die Neuangekommenen motivieren, sich mit der baden-württembergischen Geschichte auseinanderzusetzen.

Im Sommer räumt das Haus der Geschichte Geflüchteten im Eingangsbereich des Museums die Möglichkeit ein, ihr persönliches Baden-Württemberg-ABC zu gestalten. Sie stellen dar, wie sie das Land erfahren. Führungen soll es auf Englisch und sporadisch auch auf Arabisch geben.

Komplett umgestalten will das Museum seine Abteilung "Grenz-Fall Frankreich" in einem Teil der Dauerausstellung. Die Perspektive geht künftig deutlich über die wechselvolle Geschichte der Beziehungen zu Frankreich hinaus. Daher lautet der neue Name "Haus Europa". Eines der Objekte wird die erste Europaflagge sein, die Spötter "Churchills Unterhosen" nannten. Sie verschwand rasch wieder in der Versenkung.

145.000 Besucher im vergangenen Jahr

Kulturmeile Das Haus der Geschichte residiert seit 2002 an der Stuttgarter Kulturmeile entlang der Konrad-Adenauer-Straße. Es zeichnet die Landesgeschichte der vergangenen 200 Jahre nach. Die derzeitige Sonderausstellung "Auf nackter Haut" über weibliche Unterwäsche ist bis 3. April verlängert worden. 2015 zählte das Museum 145.000 Besucher.

Baracke Das Museum verfügt über 50 Mitarbeiter. Sie konzipieren auch Ausstellungen außerhalb von Stuttgart. Dazu gehören Expositionen in der ehemaligen Synagoge in Hechingen und der Matthias-Erzberger-Gedenkstätte in Buttenhausen. Im März eröffnen sie auf dem Gelände des Freilandmuseums Wackershofen eine Ausstellung in einer ehemaligen Baracke für Zwangsarbeiter.

 

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