Aus der Villa Bolz wird keine Gedenkstätte

Die Landesregierung wird die Villa des früheren württembergischen Staatspräsidenten und Nazi-Opfers Eugen Bolz nicht zur Gedenkstätte machen.

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In Schreiben an Altministerpräsident Erwin Teufel und den katholischen Bischof Gebhard Fürst lehnte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Kauf des Gebäudes ab. Er begründete die Entscheidung damit, das Haus im Stuttgarter Norden habe durch zahlreiche Umbauten nach dem Zweiten Weltkrieg "Charakter und Geist unwiederbringlich" verloren. Mobiliar oder Einrichtungsteile, so Kretschmann in den Briefen, seien nicht mehr erhalten, ebenso das sogenannte Herrenzimmer. Ein Sprecher des Staatsministerium fügte hinzu, der Kaufpreis von 4,5 Millionen Euro stehe in keinem Verhältnis zu dem, was man in dem Gebäude an Erinnerungskultur realisieren könne.

Die Regierung hat sich für eine andere Lösung entschieden, Bolz zu ehren. So solle der neue Anbau am Staatsministerium nach dem Mann genannt werden, den Hitler wegen seines Widerstands gegen die Nazis im Januar 1945 hinrichten ließ. Außerdem will die Staatskanzlei in ihrem neuen Besucherzentrum das Leben und Wirken von Bolz "gezielt" darstellen.

Der Stuttgarter CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann reagierte empört auf die Entscheidung Kretschmanns. Der Kabinettschef und seine Regierung handelten "geschichtsvergessen und gegen die Meinung führender Historiker". Auch Landtagsabgeordneter Reinhard Löffler bringt "wenig Verständnis" dafür auf, "die Villa plattzumachen". Er kündigte an, das Thema in den Finanzausschuss und ins Plenum des Landtags zu tragen.

Der aus Rottenburg am Neckar stammende Bolz hatte das Haus zwischen 1932 und 1944 bewohnt. Zuletzt lebte darin seine Tochter Mechthild Rupf-Bolz. Nach ihrem Tod verkauften die Bolz-Enkel vergangenes Jahr die Villa an ein Stuttgarter Wohnungsbauunternehmen. Die Firma will das Haus abreißen und auf dem Grund vier Eigentumswohnungen errichten. Das stieß auf Ablehnung bei Historikern.

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