Sportschule baut kräftig aus

Ausbildung, Talentförderung, Spitzensport - so lauten die Schwerpunkte der Sportschule des Landessportverbandes in Ostfildern-Ruit. Die Einrichtung will moderner werden und investiert dafür Millionen.

ANDREAS STRAUB |

Janis aus Neuhausen konzentriert sich. Der Achtjährige springt auf dem Trampolin auf und ab, das Netz vibriert. Er legt einen gestreckten Salto hin, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Katharina (10) und Magdalena (9), beide aus Ostfildern, sind begeistert - und legen prompt mit Doppelsalti nach. Der Nachwuchs übt in der Trampolinhalle der Sportschule in Ostfildern-Ruit (Kreis Esslingen). Trampolinturnen heißt es, nicht Trampolinspringen, darauf legt Landestrainer Michael Kubicka wert. Wenn die Profis loslegen - Ruit ist auch Trampolin-Bundesstützpunkt - werden die Formationen komplexer, und es geht höher in die Luft. Sogar so weit, dass die Lampen der zehn Meter hohen Halle direkt über den Trampolinen zur Seite versetzt werden mussten.

Neben den Kindern in der Trampolinhalle sind gerade acht weitere Gruppen da, darunter eine Gruppe Kicker, die die Fußballtrainer-Lizenz machen wollen. "Hier ist für jeden etwas dabei", sagt Klaus Tappeser, Chef des Württembergischen Landessportbundes (WLSB). Nicht nur diverse Sportarten werden dort unterrichtet, es finden beispielsweise auch Übungsleiterkurse und übergreifende Seminare statt, es gibt Raum für Trainingscamps und Veranstaltungen. Für die Lehrangebote sind die jeweiligen Sportfachverbände unter dem Dach des WLSB verantwortlich, die Sportschule stellt die Infrastruktur.

Die Einrichtung ist die einzige ihrer Art des Landessportbundes weit und breit. Eine zweite befindet sich in Albstadt-Tailfingen im Zollernalbkreis. Die beiden Bildungsstätten in Wangen und Bartholomä wurden vor einigen Jahren an private Betreiber abgegeben. "Lieber nur zwei Sportschulen, dafür hochklassige Angebote und eine moderne Infrastruktur", sagt Tappeser.

Daher wird derzeit in Ruit auch kräftig gebaut: Ein großes, neues Lern- und Übernachtungszentrum entsteht. Es befindet sich im Rohbau, die Gerüste stehen noch. Im Sommer soll es eingeweiht werden. Dann werden die alten "Fußball-Häuser" in der Mitte der parkähnlichen Anlage abgerissen - Platz für weitere Außenangebote. Einige Meter daneben entsteht eine Halle, in der sowohl Schützen als auch Turner trainieren werden, freilich zu unterschiedlichen Zeiten. 15,5 Millionen Euro werden in die Modernisierung investiert. Der WLSB, die Schule und das Land legen dafür zusammen.

Ruit als Standort für Nachwuchsleistungs- und Spitzensport ist nach Einschätzung der Verantwortlichen wieder im Aufschwung. Damit, dass zahlreiche Fachverbände der Schule in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt haben, die Leichtathletik gar ihr Stadion samt Rundlaufbahn aufgab, geht man offen um. Doch die Schule erkennt eine Trendwende: Die Disziplinen Fußball, Trampolin und Boxen seien an der Schule stark vertreten. Aber auch Gewichtheber, Basketballer, Volleyballer, Beach-Volleyballer, American-Footballer, Bogenschützen und der Bereich Badminton "fühlen sich hier mit zentralen Trainingsmaßnahmen und Stützpunkttraining optimal betreut".

Ein großer Vorteil der Einrichtung sind die kurzen Wege. Nahe an Stuttgart und am Flughafen gelegen, ist sie schnell erreichbar, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Schulleiter Volker Stark, früherer Basketball-Landestrainer in Berlin, findet sogar: "Das ist hier eine kleine Oase." Das sehen offenbar auch internationale Gäste so. Erst vor Kurzem hätten Borussia Dortmund und die brasilianische Volleyball-Nationalmannschaft ein Trainingslager in Ruit abgehalten. Im Jahr 2014 war die chilenische Fußball-Nationalmannschaft da, zur WM 2006 bezogen die Argentinier in Ruit Quartier. Gästen stehen 110 Zimmer zur Verfügung, die meistens doppelt belegt werden.

Auf die neue Kantine mit der offenen Küche ist Schulleiter Stark besonders stolz. Abgestimmt auf das jeweilige Training können sich die Sportler ihre Menüs aus regionalen Produkten selbst am Buffet zusammenstellen. "Der Gewichtheber isst anders als die rhythmische Sportgymnastin", sagt Stark und lacht.

Bislang wurde die Sportschule als gemeinnützige GmbH geführt. Mit jeweils 45 Prozent waren der Württembergische Landessportbund und der Württembergische Fußballverband beteiligt, mit zehn Prozent der Verein Sport- und Jugendleiterschule Nellingen-Ruit. Zum 1. Juli dieses Jahres geht die Schule aus steuerlichen Gründen zu 100 Prozent an den WLSB über.

So groß wie 16 Fußballfelder

Ausbildung Seit der Gründung 1948 haben sich mehr als 500.000 Menschen in der Sportschule Ruit zu lizensierten Übungsleitern ausbilden lassen. Mit 16,5 Hektar ist die parkähnliche Anlage etwa so groß wie 16 Fußballfelder. Neben Fußballhallen, Gymnastik- und Krafträumen, Schießanlagen sowie Rasenplätzen gibt es eine Sauna, ein Dampfbad und eine Schwimmhalle. Mini-Spielfelder, Bouleflächen und ein Beachfeld ergänzen das Angebot. Mit 43.000 Übernachtungen pro Jahr zählt Ruit zu den bundesweit größten Sportschulen.

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