Betonpuffer zwischen Häusern und Fildertunnel

Eine Betonschicht soll mit viel Technik unter 20 Häuser im Kernerviertel gespritzt werden. Die Fundamente müssen wegen S 21 stabilisiert werden.

UWE ROTH | 6 Meinungen

Der im Zuge des Bahnprojekts Stuttgart 21 geplante, etwa zehn Kilometer lange Fildertunnel führt vom künftigen Tiefbahnhof durch Stuttgarts östliche Hanglage zum Flughafen. Zwischen Urban- und Schützenstraße kommt die Tunneldecke dem Kellerboden einiger Mehrfamilienhäuser bis auf ein paar Meter nah. Wenn der Abstand gering ist, reicht das Erdreich als Puffer nicht aus, begründet die Bahn, warum nun zur Sicherheit eine daumendicke Betonschicht dazwischen geschoben werden soll.

Zur Stabilisierung bekommt das Erdreich unter den Gebäuden in einer Tiefe von etwa sieben Metern über ein kompliziertes Verfahren flüssige Masse flächendeckend und vor allem gleichmäßig eingespritzt. Hebungsinjektionen heißt das in Fachkreisen. Um die Bohrer in die notwendige Tiefe zu bringen, werden in einem ersten Schritt Schächte mit einem Durchmesser von sechs Metern gegraben. Der Durchmesser des Bohrgestänges, das bis zu 150 Metern waagerecht ins Erdreich getrieben werden kann, liegt bei gerade mal 50 Millimetern. Bis die eingespritzte Masse die Dicke von etwa zwei Zentimetern erreicht hat und ausgehärtet ist, vergeht nach Angaben eines Bahningenieurs etwa ein halbes Jahr.

Gebäudeanhebung - das weckt bei Immobilienbesitzern Erinnerungen an Geothermiebohrungen, auf die Risse im Mauerwerk und viel Ärger über die Beseitigung der Schäden folgten. Dass solche durch eine Hebeinjektion verursacht werden könnten, schließt die Bahn jedoch aus. Das Verfahren sei erprobt und etwa beim Bau des Straßenbahntunnels in Leipzig erfolgreich im Einsatz gewesen. Hebeinjektionen würden auch dazu verwendet, alte, in Schieflage geratene Häuser wieder ins rechte Lot zu bringen.

An den betroffenen Gebäuden im Kernerviertel werden Sensoren angebracht, die auf kleinste Veränderungen an der Fassade reagieren. Sollten die Messgeräte Verwerfung melden, würden die Arbeiten eingestellt und die Ursachen gesucht, so der Bahningenieur. Zuerst waren acht Mehrfamilienhäuser betroffen. Mittlerweile hat die Bahn ihre Pläne auf die Unterfütterung auf 20 Gebäude erweitert. Aus Vorsicht, lautet die Begründung. Zu den Kosten will sie sich nicht äußern. Diese seien aber "überschaubar".

Die ersten acht Gebäude sind Bestandteil des Planfeststellungsverfahrens. Die Bahn hatte gehofft, dass die dazugekommenen Eigentümer ohne ein offizielles Änderungsverfahren ihre Zustimmung zur Hebeinjektion geben. Doch dem ist nicht so. Nun müsse das Eisenbahnbundesamt entscheiden, ob die geplante Anhebung einem "höheren Interesse" dient und deswegen ohne die Einwilligung der Eigentümer durchgeführt werden kann, erklärt ein Stuttgart-21-Sprecher.

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6 Kommentare

23.02.2016 20:22 Uhr

Das Milliardengrab schluckt und schluckt ...

Warum erneut Millionen Euro an Steuergeldern für diesen riesigen Sicherungsaufwand im dicht besiedelten Stuttgarter Osten für ein nichtsnutziges, schwindsüchtiges Bahnrückbau- und Immobilienprojekt verbraten werden müssen, ist wirklich skandalös, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Murksplanung von Stuttgart 21 und erschließt sich wohl nur selten dämlichen Befürwortern dieses masochistischen Stadtzerstörungsprojektes.

Die Hausbesitzer dort sind wohl wieder höchst erfreut über diese neuerliche Hiobsbotschaft, wenn nun in ihrem Viertel auch noch 20 bis zu 6-geschossige Mietshäuser mittels Betoninjektionen angehoben werden müssen, damit sie nicht im Orkus des kropfunnötigen Tunnellabyrinths unter ihnen verschwinden.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-bahn-hebt-fuer-tunnelbau-mehr-haeuser-an.11ec6e83-8590-4d73-a81d-ff6956d316f5.html

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23.02.2016 21:56 Uhr

Antwort auf „Das Milliardengrab schluckt und schluckt ...”

Beführwörter ja sicher, aber ganz gewiss nicht dämlich, das geht ja schon mal gar nicht.

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23.02.2016 22:47 Uhr

Ich bin auch ein "Befürworter"

Herr Thierer, aber der richtigen Schreibweise nach Duden und nicht der Verfechter eines scheinheiligen Immobilienprojekts, das nur die Taschen einiger Weniger füllen soll, aber bahntechnisch einem Offenbarungseid gleichkommt und mit einem finanziellen Desaster ohnegleichen enden wird. grinsen

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03.03.2016 00:17 Uhr

„Und das in einer Zeit, in der es an Radiergummis für Schulkinder mangelt“

Ähnliche Zeilen werden wir wohl auch zur Eröffnung von S21 lesen:

Stararchitekt Santiago Calatrava hat sich Denkmal gesetzt

"(...) Der entscheidende Grund für die Zurückhaltung dürfte allerdings die massive Kritik sein, die sich der Bau seit der Präsentation der ersten Pläne vor rund zwölf Jahren eingehandelt hat.

Vier Milliarden Dollar hat der Spaß gekostet, mit dem sich Stararchitekt Santiago Calatrava an einer Stelle ein Denkmal gesetzt hat, die prominenter nicht sein könnte.

„Und das in einer Zeit, in der es an Radiergummis für Schulkinder mangelt“, wie der Architekturkritiker der „New York Times“, Michael Kimmelmann, bemerkte.

Warum ... die Regierungsbehörde ... für die Bahnstation ebenso viel Steuergelder ausgegeben hat, ist im Nachhinein allen Beteiligten jedoch eher rätselhaft. (...)"

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.neuer-bahnhof-in-new-york-milliardenluxus-fuer-ground-zero.cdaa6044-fa0b-4492-8628-47ffb8dc9c44.html
...

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25.02.2016 22:22 Uhr

Stuttgart 21 wieder Thema im Bundestag

Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen haben gemeinsam eine neue Kosten-Nutzen-Rechnung für Stuttgart 21 beantragt. Der Verkehrsausschuss empfiehlt die Ablehnung. Das sollten sich die Befürworterparteien gut überlegen.

Wenn sie wirklich der Ansicht sind, dass der Nutzen von Stuttgart 21 die Kosten überwiegt, sollten sie nichts dagegen einzuwenden haben, dies auch zu beweisen. Nach dem Gutachten von Vieregg-Rössler, das auf Kosten von fast 10 Milliarden Euro kam, und vor dem längst fälligen Prüfbericht des Bundesrechnungshofes steht der Aufsichtsrat der DB AG ohnehin in der Pflicht, die Kosten von Stuttgart 21 neu berechnen zu lassen.

Die Linke hat zudem den längst überfälligen Ausstieg aus Stuttgart 21 beantragt.

http://www.kopfbahnhof-21.de/wp-content/uploads/Ausstieg-aus-Stuttgart-21-%E2%80%93-Die-Deutsche-Bahn-AG-vor-einem-finanziellen-Desaster-bewahren.pdf

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27.02.2016 23:15 Uhr

Stuttgart 21 - finanziell ein Fass ohne Boden ...

nur die CDU findet nichts dabei!

Sabine Leidig, die verkehrspolitische Sprecherin der Linken, erklärt Steffen Bilger, dem Abgeordneten des Wahlkreises Ludwigsburg, der für seine CDU-Fraktion im Bundestag immer den Kopf für Stuttgart 21 hinhalten muss, warum es schlicht unglaubwürdig sei, dass Stuttgart 21 noch wirtschaftlich ist, und was das für den Aufsichtsrat der DB AG bedeutet.

Als Hinterbänkler wurde Bilger dazu verdonnert, das Projekt zu verteidigen, weil kein anderer den Drecksjob machen will, und hat sich mit inhaltsleeren Phrasen gut vorbereitet, wie man sieht ... ab min 29.00

https://www.youtube.com/watch?v=bXokloM-SIA

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