Vier Grün-schwarze Duelle

Bei der Landtagswahl 2011 luchsten die Grünen der CDU drei von vier Stuttgarter Wahlkreise per Direktmandat ab. Jetzt zielt die Öko-Partei auch auf den vierten Kreis - die Union will das verhindern.

DOMINIQUE LEIBBRAND |

Grüner als in Stuttgart geht's kaum: Hier hat der grüne Ministerpräsident seinen Amtssitz, hier ist im Rathaus ein grüner OB der Chef, es gibt zwei grüne Bürgermeister, und im Gemeinderat sind die Grünen die zweitstärkste Fraktion. Und damit nicht genug: Bei der Landtagswahl 2011 holten die grünen Kandidaten in drei der vier Stuttgarter Wahlkreise das Direktmandat. Die Ziele für die anstehende Landtagswahl sind indes noch höher gesteckt. Auch im vierten Wahlkreis will die Öko-Partei am 13. März die meisten Stimmen holen.

Schaffen wollen das die Grünen mit vier bekannten Gesichtern, darunter zwei amtierenden Ministern. Da wäre Winfried Hermann, in der Landesregierung zuständig für Verkehr und Infrastruktur. 2011 hatten die Grünen den heute 63-Jährigen nach ihrem Erdrutschsieg vom Bundestag nach Stuttgart geholt - im Landtag saß er zuletzt nicht. Das soll sich ändern: Hermann, der zusammen mit OB Fritz Kuhn die Idee vom Feinstaub-Alarm entwickelt hat, geht im Wahlkreis II ins Rennen. Dieser wurde ihm von Parteifreund Nikolas Tschenk überlassen. Beim Kampf gegen zu viel Verkehr setzt Hermann auf die Schiene, hat gleichwohl aber mehr Geld in den Straßenbau beziehungsweise den Erhalt gesteckt als seine Vorgänger, wie er mehrfach betonte.

Sein Ministerkollege Franz Untersteller (Umwelt, Klima und Energiewirtschaft) will es im Wahlkreis III wissen, wo er dem CDU-Mann Reinhard Löffler das Direktmandat abjagen möchte. Bei der Wahl 2011 war er damit gescheitert, zog aber über das Zweitmandat in den Landtag ein. Die Aufgabe des passionierten Tischtennisspielers bestand fortan unter anderem darin, die ausgerufene Energiewende im Land voranzutreiben. Mit Blick auf die Wahl beruft er sich auf Erfolge der Vergangenheit. Man habe schon einiges erreicht: "Mit dem neuen Klimaschutzgesetz, dem integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept sowie der Novelle des Erneuerbaren Wärmegesetzes stehen wir heute bundesweit an der Spitze."

An der Spitze stand 2011 auch die in Anatolien geborene Muhterem Aras. Mit den 42,5 Prozent, die sie in ihrem Wahlkreis I einfuhr, durfte sie sich seinerzeit als Stimmenkönigin feiern lassen. Thematisch konzentriert sich die Steuerberaterin auf die Felder Finanzen, Bildung und Integration. Mit Investitionen in Bildung und Infrastruktur habe man das Land fit für die Zukunft gemacht, bilanziert sie. "Und das Ganze mit vier Landeshaushalten ohne neue Schulden."

Die vierte im Bunde, Brigitte Lösch, wurde 2011 mit einer hauchdünnen Mehrheit vor der CDU im Wahlkreis IV in den Landtag gewählt. Heute ist sie dessen Vizepräsidentin und hat sich ansonsten vor allem der Bildungs- und Sozialpolitik verschrieben. Sie ist überzeugt, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dank grüner Politik verbessert wurde, sieht mehr Chancen durch den Kitaausbau und die Einführung von Ganztags- und Gemeinschaftsschulen. In der nächsten Wahlperiode will Lösch sich nochmal dahinterklemmen, dass der Frauenanteil im Parlament größer wird. Sie gilt außerdem als Verfechterin des "Aktionsplans für Akzeptanz und gleiche Rechte", ist Sprecherin ihrer Fraktion für die Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Trans- und Interpersonen.

Beim Kampf um die Vorherrschaft ist die CDU den Grünen auf den Fersen, hatte sie bis zur Wahl 2011 doch noch alle Direktmandate in Stuttgart inne. Im Wahlkreis I von Stimmenkönigin Aras rechnet sich die Union die schlechtesten Chancen aus. Dennoch: Die CDU-Kandidatin Donate Kluxen-Pyta will es versuchen - und zwar über das Thema Bildung. "Ich möchte Realschule und berufliche Bildung stärken und das Gymnasium mit seinem hohen Niveau halten." Eine gute Kooperation von Stadt und Land in der Kulturpolitik sei ihr ebenfalls wichtig, sagt die 54-Jährige.

Die 40-jährige dreifache Mutter Stefanie Schorn wird sich im Wahlkreis II mit Winfried Hermann duellieren. Während der von alten Verkehrsprojekten wie Nord-Ost-Ring und Filderauffahrt nichts hält, fordert die frühere parlamentarische Beraterin im Landtag genau solche Umgehungsstraßen, um Stuttgarts Verkehrsprobleme zu lösen. Ein weiterer Schwerpunkt sei die Sicherheitspolitik: In ihrem Wahlkreis gebe es eine steigende Zahl an Einbrüchen. "Das erfordert mehr Polizeipräsenz."

Die CDU wieder in Regierungsverantwortung zu bringen - daran will der Jurist Reinhard Löffler (Wahlkreis III) mitwirken. Die Wirtschaft ist sein Steckenpferd. Er fordert unter anderem einen Ausbau der Breitbandversorgung, will städtische Verwaltungen digitalisieren sowie Existenzgründer und Start-ups besser fördern. Der Wohnungsbau ist ein anderes Herzensthema. Hier schlägt der 61-Jährige vor, jungen Familien, die zum ersten Mal ein Haus kaufen, die Grunderwerbssteuer zu erlassen sowie die Abschreibungsmöglichkeiten beim Wohnungsbau auf fünf Prozent zu erhöhen.

Umgehungsstraßen wie Filderauffahrt und Nord-Ost-Ring sowie mehr Polizeipräsenz - das sind auch Roland Schmids (Wahlkreis IV) Themen. Hinzu kommt der Bildungsbereich, für den der 59-Jährige der Landesregierung ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Die Gemeinschaftsschule benachteilige schwache Schüler. Die aktuelle Bildungspolitik sei aus seiner Sicht daher "ein Scherbenhaufen".

Info Die Stadt Stuttgart ist in vier Landtagswahlkreise unterteilt. In jedem gibt es jeweils knapp 100.000 Wahlberechtigte. Sie können zwischen insgesamt 52 Kandidaten aus 14 Parteien wählen.

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