Studenten stellen Wäschetrends auf den Kopf

Wie soll das funktionieren? 29 extravagante Unterwäsche-Kreationen im Haus der Geschichte werfen Fragen auf. Eine Suche nach Antworten.

WENKE BÖHM |

Mit Feinripp konnte Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger vom Haus der Geschichte bei den Studierenden nicht landen. "Ich habe zwei Ballen, aber die sind nicht gut angekommen", berichtet sie schmunzelnd. Das Material der Wahl zeigt dafür Anklänge an frühe Baumwoll-Wäsche: Rohnessel.

Mit Draht, Kunststoffstäbchen, Pettigrohr, PVC, Reißverschlüssen, Gummihandschuhen und manchem mehr formten die jungen Kreativen der Pforzheimer Hochschul-Studiengänge "Mode" und "Accessoire Design" flankierend zur aktuellen Ausstellung "Auf nackter Haut" daraus Zukunftsvisionen für Untendrunter. Manchmal sind es nur Bänder, die eine unsichtbare Frau einzuhüllen scheinen. Mal haben die Dessous Züge einer zerstörten Lampe, eines chinesischen Segelschiffs oder eines gebärenden Drachen. Bezüge zu Niki de Saint Phalle, Mies van der Rohe und Christo sind genauso erwünscht wie Anklänge an Giacomo Puccinis Oper "Turandot" und an Asien.

Hinter den meisten Entwürfen steckt weit mehr, als der erste Blick verrät. So hat die 23-jährige Sabrina Gotthold die gängigen Wäschetrends kurzerhand auf den Kopf gestellt. Statt den Bauch wegzudrücken und Brust und Po zu betonen, gibt sie mit ihrer Couche d'armure (Rüstungswindel) ordentlich Bauch dazu und kaschiert stattdessen Po und Oberweite. "Ich mag Ironie", sagt sie.

"Mich beeindruckt sehr, was Sie als Erstsemester da auf den Weg gebracht haben", lobt Lutum-Lenger die Studierenden. Die Idee zur Zusammenarbeit kam vom Museum. Kursleiter Professor Thomas Pekny betont den experimentellen Charakter der Arbeiten. Rohnessel stehe für Ehrlichkeit. Durch das störrische Material entstünden die skulpturalen Arbeiten. Die Kooperation sei für sie ein Gewinn: "Das heißt schon was, wenn wir in der Metropole unsere Arbeiten zeigen dürfen."

Spannend wird es am 16. Juli, wenn es zum Schwur kommt. Zum Abschluss ihrer Präsentation wollen die Studierenden nämlich beweisen, dass ihre fantasievollen Entwürfe auch den Praxistest auf dem Laufsteg bestehen. Pekny betont: Beim Motto "Auf nackter Haut" sei es Ziel, dass die Models keine Unterwäsche mehr drunter tragen. Darauf angesprochen, dass dann vielleicht hier und da etwas zu viel Haut aufblitzen könnte, sagt der Museumssprecher locker: "Das halten wir aus."

Info Die Ausstellung "Auf nackter Haut" zur Geschichte der Unterwäsche läuft bis 31. Januar.

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