"Niemand welkt so schön wie du!"

Karikaturisten stellen das Alter in all seinen Facetten dar, mal auf liebenswürdige Weise, mal bitterbös. Eine Ausstellung im Sozialministerium.

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Haderers Pippi.  Foto: 

Wohl wenige haben sich schon mal darüber Gedanken gemacht, ob und wie Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf altert. Außer natürlich ein paar verschrobene Geister aus der Karikaturisten-Zunft. In Gerhard Haderers "Botox-Boom" grinst dem Betrachter eine im Gesicht auf jung getrimmte Pippi Langstrumpf entgegen. Ihr Kopf sitzt auf einem alten Frauenkörper mit welker, faltiger Haut.

Die Karikaturistin Marie Marcks wirft da schon einen etwas milderen Blick aufs Alter. Die Liebeserklärung "Niemand welkt so schön wie du!" scheint ehrlich gemeint zu sein, auch wenn die Angebetete sie wohl mit gemischten Gefühlen entgegennimmt. Auch das Phänomen, dass immer nur der andere als alt wahrgenommen wird, greifen einige der Karikaturisten auf, deren Arbeiten das Sozialministerium ausstellt. "Im Gegensatz zu dir kann ich mich direkt noch sehen lassen !", so der weder zutreffende noch charmante Kommentar eines nackt vor dem Spiegel stehenden Ehemanns zu seiner Frau. Dem Karikaturisten ist ein Lachen sicher.

Haderers "Mittagssonne im Seniorenpark" ist da wohl eher zum Heulen, so öd und leblos scheint die Szenerie, in der ein älteres Ehepaar vom Balkon auf ein gegenüberliegendes Hochhaus blickt.

Auch Skurriles ist zu sehen, wie Hans Traxlers alt gewordene Rapunzel, deren langes Haar mittlerweile die Wände im Wohnstift Hubertus ziert. Oder Berührendes wie bei der Karikatur von Gerhard Glück. Hier schaut der Ehemann seiner Frau hinterher und es heißt: "Herr Kölbel überlegte gerade, wann er seine Frau zum letzten Mal ,süßes Bienchen' genannt haben könnte." Die Karikaturen stehen im Widerspruch zur Welt des schönen aktiven Alters, zum politisch korrekten Altersdiskurs, so die Kuratorin der Ausstellung, Franziska Polanski. Sie leitet das Forschungsprojekt "Das Alter in der Karikatur" am Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg und ist Herausgeberin des gleichnamigen Buches. Hinter dem in der Öffentlichkeit propagierten Leitbild des aktiven Alters steckt aus ihrer Sicht die Vorstellung von der Körperoptimierung. "Diese Karikaturen stellen eine Gegenwelt dar", sagt sie und fügt hinzu: "Das Alter ist nicht unendlich optimierbar."

Info Die Ausstellung im Stuttgarter Sozialministerium ( Schellingstraße) ist noch bis 13. November zu sehen und hat werktags von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

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