„Katastrophe für Pendler“

|
Die S-Bahn hat wieder große Probleme mit der Pünktlichkeit. Helfer sorgen dafür, dass Fahrgäste schneller einsteigen.  Foto: 

Lob und Anerkennung für Gegenmaßnahmen wie das Weichendiagnosesystem und Einstiegshelfer im Hauptbahnhof hatte die Bahn beim Stuttgarter S-Bahngipfel im Frühsommer erhalten. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der S-Bahnen im Raum Stuttgart waren besser geworden. Der positive Trend setzte sich  im August fort. Wie im Herbst die Blätter fallen, so gingen jedoch in den vergangenen Wochen die Werte für die Pünktlichkeit wieder kräftig nach unten. In den vergangenen Tagen kam es im morgendlichen Berufsverkehr zu Störungen, die Zugausfälle und Verspätungen auslösten.

Bahnsprecher verweisen darauf, dass diese Störungen auf „Einzelereignisse“ zurückzuführen seien: Am Montagmorgen war im Hauptbahnhof eine Person im Gleis gemeldet worden. Tags darauf war die Ursache eine Weiche an Gleis 1 des Hauptbahnhofs, die morgens nicht rechtzeitig an den Start gebracht worden war, nachdem sie über Nacht stillgelegt gewesen war. Am Mittwoch führte schließlich eine Stellwerkstörung zu erheblichen Behinderungen. Wenn davon die Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße – das Nadelöhr müssen alle Linien passieren – betroffen ist, hat dies enorme Folgen, räumt ein Bahnsprecher ein.

„Für Berufspendler ist das eine Vollkatastrophe“, sagt Rainer Ganske, Verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion der Stuttgarter Regionalversammlung. Der Verband Region Stuttgart (VRS) ist Auftraggeber für den S-Bahn-Betrieb im Raum Stuttgart. Auch Autofahrer stünden ständig im Stau: „Wir haben auf Straßen und Schienen ein Chaos.“ Ganske fordert von der DB Regio, der Betreiberin der S-Bahnen, das Informationssystem für die Fahrgäste deutlich zu verbessern. Er fragt sich, ob die Bahntochter DB Netz früh genug in die Technik investiert hat.

Eva Mannhardt stellt sich diese Frage nicht: „Es müsste mehr investiert werden“, erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen in der Regionalversammlung. Es sei doch klar, dass jahrzehntealtes, stark belastetes  Material zu Bruch gehen kann. „Wir sind bitter enttäuscht“, meint sie zur jüngsten Entwicklung. Sie erlebe täglich, dass sich die Störungen extrem häuften.

Den Druck auf die DB Netz AG hoch halten, „damit sich etwas bewegt“, möchte Thomas Leipnitz. Der Verkehrssprecher der SPD-Fraktion im VRS vermutet, dass die Bahntochter, die für Gleisanlagen zuständig ist,  „ihre Infrastruktur in den letzten Jahren verlottern lassen“ hat. Seiner Ansicht nach braucht es öffentlichen Druck.

Dass die Pünktlichkeit im Herbst und Winter stark nachlässt, zeige sich jährlich, stellt die Sprecherin der Region, Dorothee Lang, fest.Nun werde geprüft, ob das elektronische Zug-Kontoll-System für die S-Bahn eingeführt werden kann, um eine höhere Zugdichte zu erreichen.

Anforderung Die Region hat mit der Bahn vertraglich vereinbart, wie pünktlich die S-Bahn sein muss. Für 98 Prozent der Bahnen gilt eine maximale Abweichung von 6 Minuten. Zur Hauptverkehrszeit muss muss eine Abweichung von weniger als drei Minuten in 91,5 Prozent der Fahrten garantiert sein, in Nebenzeiten muss die 3-Minuten-Pünktlichkeit auf 94,5 Prozent steigen.

Realität Das als zuverlässig geltende Informationsportal „s-bahn-chaos.de“ nennt aktuelle Verspätungsdaten und stellt fest, dass sich die Pünktlichkeit verschlechtert hat und die vertraglichen Vorgaben bei weitem nicht erreicht wurden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

10.11.2017 01:10 Uhr

Vom Bahn-Chaos zur Bahn-Katastrophe

Am Dienstagmorgen kamen Abertausende Pendler im Großraum Stuttgart nicht bzw. stark verspätet zu ihrer Arbeitsstelle. Im gesamten Einzugsgebiet des Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS) kam es zu erheblichen Behinderungen und Zugausfällen (insb. S-Bahn).

Die Lautsprecher der Bahn etablierten ein neu kreiertes Wort, die "Großstörung". An die täglichen zur Normalität bei der Bahn gewordenen Verspätungen und Zugausfälle oder nicht funktionierende Rolltreppen und Aufzüge haben sich die meisten Pendler leider schon gewöhnt, doch das war eine ganz neue Dimension!

Aus meiner Sicht sitzen die "Großstörungen" in Sesseln von verantwortungsvollen Ämtern und Ministerien und treffen überaus gesellschaftsschädigende Entscheidungen. O welch göttliche Einfalt der politisch Verantwortlichen! Der Nahverkehr wird an die Wand gefahren und für nichtsnutzige Großkotzprojekte wie Stuttgart 21 werden Milliarden an Steuergeldern verpulvert.

https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/345/der-kaes-ist-nicht-gegessen-4703.html

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Weihnachtsmarkt eröffnet am Montag

Kürzer, größer, sicher: 26 Tage dreht sich ab Montag auf dem Ulmer Münsterplatz alles um Glühwein, Wurst und Co. Betonwände sollen vor Terror schützen. weiter lesen