„Jeder muss sich bewegen“

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Mahnt Verbesserungen an: Thomas Leipnitz vor der S-Bahn-Haltestelle Rotebühlplatz in Stuttgart-Mitte.  Foto: 

Schienenmäßig ist der Kreis Göppingen seit Anfang 2014 in den Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) integriert. Fährt aber ein Kunde von Esslingen mit dem Zug nach Geislingen im Kreis Göppingen und möchte mit dem Bus weiterfahren, muss er ein weiteres Ticket lösen. Für den verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion in der Regionalversammlung, Thomas Leipnitz (46), ist das ein Ärgernis. Schließlich gehört der Landkreis Göppingen zum Verband Region Stuttgart. Verkehrs­politisch macht der Landkreis jedoch sein eigenes Ding. Er betreibt seit 2011 einen von 22 Verkehrsverbünden im Land, den Filsland-Mobilitätsverbund.

Die Verschmelzung von Filsland mit dem VVS hat sich die Mehrheit der Regionalräte auf die Fahnen geschrieben. Es laufen inzwischen auch Gespräche zwischen der VVS-Spitze, dem Verband Region Stuttgart, der Landeshauptstadt und den Verbundlandkreisen mit dem Landkreis Göppingen. Doch die Verhandlungen gestalten sich schwierig. Offen blieb bisher, wie die Ko­sten umgelegt und wie die unterschiedlichen Tarife harmonisiert werden können.

Leipnitz, der auch Vorsitzender der SPD-Region Stuttgart ist, fordert, die Bemühungen um die Vollintegration zu  verstärken. „Mein Appell geht an alle Beteiligte“, sagte er im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE, „jeder muss sich jetzt bewegen, damit wir das gemeinsame Ziel erreichen.“ Er erhofft sich vom Anschluss Göppingens auch eine Entlastung der stark frequentierten B 10. Es gelte, mehr Pendler aus dem Raum Göppingen vom Auto in Busse und Bahnen zu bringen, auch, um die Schadstoffbelastung in Stuttgart zu reduzieren. Das sei im Interesse des Landes, das dem Druck der EU und der Gerichte ausgesetzt ist. Deshalb erwartet er auch einen Beitrag des Landes zur VVS-Integration Göppingens.

Zufrieden ist Leipnitz hingegen mit den Bemühungen, die wenigen noch bestehenden Lücken zwischen dem VVS-Gebiet und benachbarten Verkehrsverbünden zu schließen. Eine solche Lücke besteht noch in Gechingen, wo die Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw an den VVS angrenzt. Oder in Mainhardt, wo der Kreisverkehr Schwäbisch Hall an den VVS stößt. Bei all diesen Lücken müssen die Fahrgäste ein weiteres Ticket lösen, wenn sie mit dem Bus weiterbefördert werden wollen.

Leipnitz: „Das ist extrem kundenunfreundlich.“ Er erwartet rasche Lösungen, für die es ein gutes Beispiel gibt. In Bempflingen (Kreis Esslingen) ist es gelungen, solch eine Lücke zwischen dem VVS und dem Neckar-Alb-Nahverkehrsverbund Naldo zu schließen. Doch Leipnitz geht weiter mit seinen Forderungen. Er mahnt eine grundsätzliche Reform der Struktur des Nahverkehrs in Baden-Württemberg an. Der Nahverkehr ist derzeit in 22 Verkehrsverbünde aufgesplittet –  „ein ziemlicher Flickenteppich“. Dadurch besteht ein Wirrwarr an Tarifen.

Das Land soll sich laut Leipnitz ein Beispiel an Hessen nehmen, das mit nur drei Nahverkehrsverbünden auskomme, selbst das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen unterhalte lediglich neun. Das Thema, so der Sozialdemokrat, müsse bei der Novelle der Verbundförderung ab 2019 angegangen werden. Bei diesen Verhandlungen über die künftige Förderung durch das Land müsse die Regierung den Verbünden nahelegen, sich zu großen Einheiten  zusammenzuschließen.

Der Regionalrat erinnert daran, dass das Land durchaus in der Lage ist, Druck auszuüben. Es könne mit höherer Förderung winken, um die Bereitschaft zu Zusammenschlüssen zu verstärken. Das Land könne aber auch mit der Streichung von Fördermitteln drohen, falls es nicht vorangeht. Leipnitz: „Das Land hat den goldenen Zügel in der Hand.“

Der Politologe und Historiker Thomas Leipnitz gehört seit 1999 der Regionalversammlung an. Im 2004 übernahm er die Funktion des verkehrspolitischen Sprechers der SPD-Fraktion. Außerdem vertritt er seine Fraktion im Aufsichtsrat des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS). Der in Stuttgart lebende Regionalpolitiker arbeitet im Hauptberuf als Parlamentarischer Berater für Verkehrsfragen in der Landtagsfraktion der SPD.

Der VVS wurde 1978 gegründet. Er koordiniert den öffentlichen Nahverkehr im Stadtkreis Stuttgart und vier Landkreisen. eb

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Kommentare

18.06.2017 08:02 Uhr

Jeder Gedanke muss möglich sein

In China ersticken die Städte, und es wird massiv in die E Mobilität investiert.
Mit Hilfe deutscher Autobauer.
Eine Umrüstung der Dieselfahrzeuge ist auch möglich.

Das Land Baden Württemberg kann sich im Bundesrat stark machen, um Gelder für die Mobilität loszueisen.

Die EEG Umlage kostet jährlich den Bürgern viele Milliarden mit steigenden Verbrauchskosten.

Geld für den Verkehr wären sinniger angelegt.

Davon hat jeder Bürger etwas.

Politiker machen so, als ob dieses Geld ihnen gehört.

Doch alles kommt von den Bürgern.

Demokratie von unten geht über den Bundesrat.

Doch der Bundestag kauft den Ländern Rechte ab, und verstößt gegen die Demokratie

Alle halten still und nehmen Geld, der Bürger wird nicht gefragt.

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18.06.2017 06:17 Uhr

Kostenfreies Fahren mit Bus und Bahn

Dies ist erst einmal eine Utopie, doch die Idee dahinter 60% der Menschen zum öffentlichen Nahverkehr zu bringen. Ein Modellprojekt zum Beispiel in Stuttgart könnte Aufschlüsse bringen.

Der Verkehrsverbund VVS muss auch für Göppingen, Tübingen, Reutlingen, gelten.
Ein Student der von Ulm nach Tübingen fährt braucht wenn die Busverbindung dazu kommt mehrere Tickets.

Intelligente Lösungen sind gefragt.

Die Städte werden immer weiter verdichtet, und es gibt mehr Menschen, die auf dem Weg sind

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