"Ein deutsches Servus ist wie eine Massage im Hamam"

Gekommen, um zu gehen: Der Deutsch-Türke Ugur Parmak hat sich eine Existenz im Land seiner Eltern aufgebaut. An Stuttgart denkt er dennoch oft.

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Ugur Parmak in seinem Café Avesta.  Foto: 

Es ist nur eine kurze Straße mit maximal sechs Cafés. Doch diese sind meist restlos belegt. Laute türkische Popmusik ertönt. Aber auch US-amerikanische Lieder. Ein Café fällt hier besonders auf: das Café Avesta. Hier hört und sieht man einen Unterschied zu den anderen Läden auf der Meile. Statt ohrenbetäubender, lauter Musik läuft hier beruhigender Deep-House über die Boxen. Das Café grenzt direkt an den Campus der Pamukkale Universität im türkischen Denizli. Dort studieren über 50.000 junge Leute. Pamukkale kennen die meisten aus Urlaubskatalogen. Es handelt sich um die schneeweißen Kalkterassen, die zum Weltkulturerbe gehören.

Das Café Avesta war vor vier Jahren für Ugur Parmak der Grund für den Umzug in die Türkei, das Heimatland seiner Eltern. Geboren ist er in Stuttgart. "Ich hatte die Nase voll von der Dreischichtenarbeit", sagt Ugur. Das Leben in Stuttgart als gelernter Zerspanungsmechaniker sei "einfach zu monoton" gewesen. Er habe Abwechslung gebraucht und sei ein Jahr nach dem Ende seiner Ausbildung mit seinen Eltern und seinem älterem Bruder in die Türkei gegangen - in das Land, das er bislang nur von den Sommerurlauben kannte.

"Das Leben kam mir zu Beginn schon befremdlich vor. Neue Freunde, eine neue Umgebung." Dank der langfristigen Planung der Familie schaffte es Ugur dennoch, sich schnell einzuleben. Hier im Zentrum von Denizli hatte die Familie Parmak bereits ein schönes Haus. Das Erdgeschoss war als Ladenlokal vermietet. Nachdem der Mietvertrag auslief, entschied die Familie Parmak, einen eigenen Laden zu eröffnen.

Heute ist Ugur 27 Jahre alt. Mit der Hilfe seiner Familie hat er aus dem Café eines der schönsten Familienbetriebe von Denizli gemacht. Jeder Jugendliche der Stadt kennt diesen besonderen Ort. Sein Vater übernimmt als Türkei-Erfahrener die Bürokratie und den komplizierten Umgang mit den Behörden.

Hier erkenne er einen drastischen Unterschied zu Deutschland. In der Türkei sei alles viel komplizierter, die Mentalität sei eine andere. "In Deutschland geht halt alles viel schneller und auch sicherer", findet er. Wenn er von unnötigen Schwierigkeiten mitbekommt, die mies gelaunte türkische Sachbearbeiter seinem Vater und dem Unternehmen bereiten, denkt er sich manchmal: "Ich hab' keinen Bock mehr hier und will zurück nach Deutschland." Auch die Kunden seien hin und wieder schwierig. Sie hätten teils wenig Verständnis, wenn mal was nicht stimme.

Stuttgart vermisst der junge Mann nach eigener Aussage sehr. Er wolle dennoch in der Türkei bleiben. Sein Bruder hat hingegen schon die Reißleine gezogen. Vor etwa zwei Monaten ist er zurück in die deutsche Heimat Stuttgart gezogen.

Ugur stürzt sich dafür auf die Gäste, die im Sommer zur Besuch kommen. "Ich spreche die ,Deutschländer' direkt an, will sie kennenlernen. Ein deutsches ,Servus' bekommt mir wie eine entspannende Hamam-Massage nach der Arbeit", sagt Ugur Parmak.

Deutsche Gäste bestellten besonders gern Wasserpfeifen und das städtische Brausegetränk "Zafer Gazoz". Sie seien immer sehr freundlich, hätten Verständnis, wenn es mal nicht rundlaufe. Für den jungen Unternehmer eindeutig: "Die Kultur macht's."

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