"Das Interesse kam erst mit dem Krieg"

Früher setzten sich die Freunde der Altstadt von Aleppo vor allem für Gebäude ein. Heute wollen sie von Stuttgart aus Menschen helfen.

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Was bleibt, sind die Bilder aus der Zeit davor. Als die Handelsstadt Aleppo noch blühte. Als noch keine Frontlinie durch die Altstadt verlief. Als der historische Basar, einst weltgrößtes überdachtes Marktviertel, noch nicht durch ein Großfeuer zerstört worden war. Und als noch keine Panzergranate in das Minarett der 700 Jahre alten Mahmandar-Moschee eingeschlagen war. Als es noch gute Tage gab.

Sehen wollen viele Menschen diese Bilder allerdings erst, seit die schlechten Tage heraufgezogen sind, seit die Stadt in Schutt und Asche liegt. "Das Interesse kam leider erst mit dem Krieg", sagt Jörg Esefeld. Der Architekt sitzt im Vorstand eines Vereins, den man so in Stuttgart nicht unbedingt vermuten würde: Vor 25 Jahren taten sich zunächst fünf Gründungsmitglieder, die irgendwie einen Bezug zu Syrien hatten, als "Freunde der Altstadt von Aleppo" im Linden-Museum zusammen. Der Vereinszweck war seinerzeit noch ein anderer als heute, wo es rund 100 Mitglieder - Professoren, Architekten, Städtebauer, Deutsche und Syrer - mit steigender Tendenz gibt.

Die Altstadt, die seit 1986 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, sollte vor dem Verfall bewahrt werden. Viele Häuser waren sanierungsbedürftig, die Bewohner - vor allem arme Leute hatten sich in der Altstadt angesiedelt - konnten das aber nicht bezahlen. In Kooperation mit der Stadt Aleppo und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit unterstützte der Verein die Einrichtung eines Housing-Fund, mit dem rund 1000 Häuser saniert wurden, berichtet die Vorsitzende des Vereins, Anette Gangler.

Häuser, die heute wahrscheinlich in weiten Teilen zerstört sind, was vor dem Hintergrund des menschlichen Leids für die Vereinsmitglieder an Bedeutung verloren hat. "Dort sind jetzt natürlich ganz andere Dinge wichtig. Es geht ums nackte Überleben", sagt Jörg Esefeld.

Seinen Sinn sieht der Verein daher mittlerweile nicht nur darin, auf die Zerstörung der Stadtkultur aufmerksam zu machen, sondern auch für den Krieg und das Leid der Bevölkerung ein Bewusstsein zu schaffen. "Wir haben überlegt, was wir nun hier tun können", erzählt Esefeld. Also organisierte der Verein im April eine Ausstellung über Aleppo im Rathaus, er schickte Erste-Hilfe-Koffer nach Syrien, veranstaltete mit der Caritas eine Malwerkstatt für Flüchtlingskinder.

Die Zeit des Wiederaufbaus von Aleppo wird kommen, so die Hoffnung. Auch künftig will der Stuttgarter Verein daher die Arbeit des urbanen Archivs unterstützen. 2008 hatten die Freunde den Aufbau eben dieses Stadtarchivs in Aleppo angestoßen - Daten, Katasterpläne, Textilien und vieles mehr wurde gesammelt. "Wir wissen nicht, was aus dem Archiv geworden ist", sagt Anette Gangler. Die Daten aber seien digitalisiert worden. In Kooperation mit öffentlichen Einrichtungen sollen sie gesichert werden - um so zumindest einen bescheidenen Beitrag zum späteren Wiederaufbau der 5000 Jahre alten Stadt zu leisten.

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