Zwischen ZDF und SPD fliegen die Fetzen

Im ZDF lieferten sich Sigmar Gabriel und Marietta Slomka einen harten Schlagabtausch. Das gehört zum Journalismus - und sorgt trotzdem für Wirbel. Mit Video.

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Ein hitziger Schlagabtausch zwischen SPD-Chef Sigmar Gabriel und ZDF-Moderatorin Marietta Slomka überlagert die inhaltliche Debatte bei der SPD über den Koalitionsvertrag. Gabriel hatte der Moderatorin in einem Interview für das "heute journal" unfaire Fragen und Voreingenommenheit unterstellt, wogegen das ZDF sich verwahrte.

In dem Interview wurde der Ton gereizt, nachdem Slomka die Frage nach der Verfassungsmäßigkeit des SPD-Mitgliederentscheids aufgeworfen hatte. Gabriel wies dies als "Quatsch" zurück. Nach einem scharfen Wortwechsel warf er Slomka vor, es sei "nicht das erste Mal, dass Sie in Interviews mit Sozialdemokraten nichts anderes versuchen, als uns das Wort im Mund umzudrehen". Slomka erwiderte: "Herr Gabriel, Sie werden mir jetzt bitte nichts unterstellen."

Das ZDF wehrte sich gegen den Vorwurf der Parteilichkeit. Diesen habe Marietta Slomka "entschieden und mit Recht" zurückgewiesen, so "heute journal"-Redaktionsleiterin Anne Reidt. In dem Interview sei es "hart zur Sache und um die Sache" gegangen. "Argumentativer Schlagabtausch und Verbalgefecht sind Instrumente des politischen Journalismus." Gabriel verteidigte derweil seine Kritik in einem RTL-Interview. "Manche Journalisten glauben, wir Politiker seien so zum Watschenmann da." Dafür sei er nicht geeignet. Er sei dem ZDF aber nicht böse und halte Streit durchaus für sinnvoll: "Man muss doch auch mal Emotionen zeigen."

CSU-Chef Horst Seehofer sprang Gabriel bei und beschwerte sich in einem Brief an ZDF-Intendant Thomas Bellut über das Interview. "Ich wehre mich gegen diese Qualität der Diskussion," betonte Seehofer, der im ZDF-Verwaltungsrat sitzt. Gabriel sollte wie ein Schulbub vorgeführt werden, kritisierte er.

Ex-SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück schloss sich Gabriels Kritik an. "Ich kann mich an ein Interview im Wahlkampf mit Frau Slomka erinnern, das mir äußerste Disziplin und Höflichkeit abverlangt hat", sagte Steinbrück der "Bild"-Zeitung. Slomka hatte auf Bedenken einiger Verfassungsrechtler am SPD-Mitgliederentscheid verwiesen. So argumentiert etwa der Leipziger Juraprofessor Christoph Degenhart, dass die Entscheidung über eine Koalition laut Grundgesetz beim Bundestag liegen müsse, nicht bei Parteimitgliedern.

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Kommentare

30.11.2013 07:57 Uhr

Mein Gott Walter

Der neue und kaum bezwingbare Gegner dieser olligarschisch herrschenden Großen Koalition wird nun angegangen, wie Ungeziefer, vor dem man seine Vorräte schützen will - die Presse und die Freiheit, die sich die Wahrheit auch nimmt, wenn es einem Gabriel und seinen Schützenhelfern sauer aufstösst.
Hier kann sich nun entpuppen, wo wir freie und wo wir obrigkeitshöhrige Presse finden.
Wer nach einer erklärten Wahl- "Gegnerschaft" so geflissentlich mit den "Gegnern" an den Verhandlungstisch flüchtet und den bequemen Gemeinsamkeiten den Vorzug vor den immer streitbaren und am Ende entscheidenden Zukunfstoptionen gibt, hat wesentlch schlechtere Karten, als das jetzt anhebende gedöns zugeben will - ist ja auch verständlich.
Ob die tatsächlichen Aufgaben gelöst werden und wer sich als Gewinner herausstellt, wird entscheiden, um was sich diese in der Zone der Lächerlichkeit agierende Aufregung vergeblich ins Zeug legt.
Wer einmal lügt, hat es erheblich schwerer mit seiner Glaubwürdigkeit und das darf man vor allem dann beachten, wenn man auf die trügerische Macht der Polemiken setzt, denen schneller die Luft ausgeht, als es der geschwellten Brust der Selbstherlichkeit lieb sein kann.

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