Zweijähriger erschießt Mutter beim Einkaufen

Ein tragischer Vorfall facht den Ruf nach schärferen Waffengesetzen in den USA wieder an. Ein Kleinkind hat seine Mama mit einem Schuss getötet.

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Veronica Rutledge hatte den zweiten Weihnachtsfeiertag - in den USA ein ganz normaler Werktag - wie Millionen andere Amerikaner begonnen. Sie wollte Geschenke umtauschen und fuhr mit ihrem Sohn sowie drei Nichten zu einem WalMart in Hayden (US-Bundesstaat Idaho). In ihrer neuen Handtasche hatte sie ihre Kleinkaliber-Waffe in ein Spezialfach gesteckt, das mit einem Reißverschluss versehen ist. Als sich die 29-Jährige in der Abteilung für Heimelektronik nach einem Fernseher umschaute, fummelte ihr Zweijähriger in der Handtasche, fand das Versteck und öffnete den Reißverschluss. Das Kleinkind zog nur ein Mal ab und streckte seine Mutter mit einem tödlichen Kopfschuss nieder.

Bemerkenswert sind die Reaktionen der Familie des Opfers. Diese will von schärferen Waffenkontrollen nichts wissen. Rutledge, die in einem nuklearen Forschungslabor im Auftrag des Pentagon arbeitete, galt als intelligente Wissenschaftlerin und verantwortungsvolle Mutter, die ebenso wie ihr Ehemann schlichtweg eine Schwäche für Waffen hatte. Wie 85 000 andere Menschen in Idaho hatte sie einen Schein, der sie berechtigt, eine verborgene Schusswaffe zu tragen.

"Es ist widerlich, wie einige Gruppen Veronicas Tod nutzen, um sie als leichtsinnige Mutter hinzustellen und obendrein eine politische Debatte um striktere Gesetze fordern", sagte ihr Schwiegervater Terry Rutledge, mit dem Veronica häufig Schießanlagen besuchte. "Es war ein tragischer Einzelfall, und wir alle trauern, sollten aber daraus keine falschen Schlüsse ziehen."

Die Befürworter strengerer Waffengesetze weisen hingegen darauf hin, dass Vorfälle, bei denen kleine Kinder eine geladene Waffe in die Hand bekommen und jemanden verletzen oder gar töten, in den USA deutlich zunehmen. Die besondere Aufregung um den Tod von Veronica Rutledge habe daher mit dem Alter des Jungen, aber auch damit zu tun, dass dies an Weihnachten passierte, meinen die Kritiker.

Dass sich durch die jüngste Tragödie an der Gesetzeslage etwas ändert, ob in Idaho, in anderen Staaten oder auf Bundesebene, ist selbst nach Einschätzung der kühnsten Optimisten kaum anzunehmen. Vor zwei Jahren hatte kurz vor Weihnachten der Amoklauf eines geistig gestörten Mannes in Newtown, Connecticut, 26 Todesopfer gefordert. Präsident Barack Obama nahm die Tragödie zum Anlass, um für deutlich striktere Waffenkontrollen zu plädieren. Sein "Reförmchen" ist aber im Sande verlaufen, weil auch Demokraten dem Druck der übermächtigen Waffenlobby nicht standhalten konnten.

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