ZUR PERSON: Weit daneben

Diplomatie ist nicht seine Sache. Der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ist direkt. Doch hat er mit einem Vergleich weit überzogen.

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Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller greift zu unhaltbaren Vergleichen.

In einem Punkt hat der heutige Chef der Glaubenskongregation im Vatikan, Gerhard Ludwig Müller, recht: Es gab schon gemütlichere Zeiten für die katholische Kirche und die Verantwortlichen, die ihr vorstehen. Viele Priester, die mit großem Einsatz versuchen, Menschen in ihren Nöten nahe zu sein, leiden unter Misstrauen und Generalverdacht. Sie haben sich ihren Gemeinden auch dann zu stellen, wenn an der Spitze der Bistümer und in Rom etwas verbockt, vertuscht, verzögert wird. Müller erkennt in der Gesellschaft eine "künstlich erzeugte Wut, die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung" erinnere.

Da irrt der oberste Glaubenshüter. Und er vergreift sich sprachlich in höchstem Maß. Einem Irrtum unterliegt der frühere Dogmatikprofessor wenn er glaubt, die Wut sei künstlich erzeugt. Sie hat reale Wurzeln im Versagen der Kirchenspitze. Weit ist deren Welt entfernt vom Leben des Kirchenvolkes, abgeschlagen hinkt sie gesellschaftlichen Standards wie der Gleichbehandlung Homosexueller hinterher.

Vergriffen hat sich der als Bischof von Regensburg oft genug selbstherrlich aufgetretene Kirchenmann in seinem Rückgriff auf ein "Pogrom". Das Wort meint gewaltsame Ausschreitung wie es sie zum Beispiel während der Nazi-Herrschaft gegenüber Juden gab. Die Juden haben nichts getan, was Zorn und Verfolgung ausgelöst haben könnte. Sie waren Opfer einer menschenverachtenden, rassistischen Ideologie. Ausgerechnet der deutsche Glaubenspräfekt will diese Opferrolle für sich und seine Amtsbrüder reklamieren?

Das ist mehr als ein Fauxpas. Der Erzbischofs ist in Rom zwar formal auf der Bühne der Weltkirche angekommen. Parkettsicher ist der donnernde Kirchenmann deswegen noch nicht.

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