ZUR PERSON: Mutiger Mexikaner

Selbst zu Unrecht verhaftet und gefoltert, verschrieb sich Alejandro Cerezo der Hilfe für politisch Inhaftierte. Nun erhält er den Aachener Friedenspreis.

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Wird für sein Engagement für politische Gefangene geehrt: Alejandro Cerezo.

Die erlittenen Folterqualen merkt man Alejandro Cerezo Contreras nicht an. Wenn der kräftige Mexikaner in seiner Heimat auftritt, spricht er ruhig und gefasst. Dreieinhalb Jahre verbrachte er unschuldig im berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis Altiplano. Polizisten und Soldaten folterten ihn, um Geständnisse für nie begangene Taten zu erpressen. Heute erhält der 30-jährige Anwalt den Aachener Friedenspreis, zusammen mit seiner Menschenrechtsorganisation.

Cerezo hofft, dass die Auszeichnung hilft, die "Stigmatisierung der politischen Gefangenen in Mexiko" zu beenden. 2001 war der damals 19-Jährige zusammen mit seinen zwei Brüdern ohne Beweise verhaftet und verurteilt worden. Den drei Studenten wurde die Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag in Mexiko-Stadt vorgeworfen. Alejandro Cerezo fühlte sich alleingelassen. Kaum eine internationale Organisation wollte sich für die drei jungen Männer, die als Terroristen gebrandmarkt waren, einsetzen.

Alejandro Cerezo kam 2005 frei, seine Brüder erst 2009. Aus dem 2001 gegründeten Unterstützungskomitee wurde inzwischen eine bekannte Organisation, die sich unter der Leitung Alejandro Cerezos für politische Häftlinge in Mexiko einsetzt. 128 solcher Fälle dokumentierte das Komitee allein seit dem vergangenen Jahr, von mehrmonatigen willkürlichen Inhaftierungen bis zu langen Haftstrafen mit konstruierten Anklagen. Möglich macht dies Mexikos korrupte Justiz.

Cerezos eigene Anwältin wurde 2001 ermordet. 2006 verfügte die Interamerikanische Menschenrechtskommission Schutzmaßnahmen für den Mexikaner. Dennoch erhält er bis heute regelmäßig Todesdrohungen, wird beschattet und verfolgt. "Die Täter kommen vom Staat", ist Cerezo überzeugt.

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