Zur Person: Kämpfer gegen das Spardiktat

Er galt als Bürgerschreck, hasst Angela Merkel und könnte nun Regierungschef Griechenlands werden: Alexis Tsipras, Chef der radikalen Linken.

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Alexis Tsipras: Finanzmärkte werden nach unserer Pfeife tanzen.  Foto: 

In Berlin war Alexis Tsipras (40) schon oft. Aber die Tür des Kanzleramts hat sich für ihn bisher nicht geöffnet. Das Verhältnis zu Angela Merkel gilt als zerrüttet. Kein Wunder - Tsipras hat ein neues Schimpfwort in die politische Debatte eingeführt: Seine Gegner bezeichnet er als "Merkelisten", als Marionetten der deutschen Kanzlerin. Schon bald kommen sich die beiden möglicherweise näher. Wenn Tsipras mit seinem Bündnis der radikalen Linken (Syriza) die Wahl am 25. Januar gewinnt und griechischer Ministerpräsident wird, sitzt er im Europäischen Rat neben Merkel.

Tsipras als Regierungschef beim EU-Gipfel: Das wäre der Karriere-Höhepunkt eines politischen Senkrechtstarters. Als 16-Jähriger hatte sich Tsipras der Jugendorganisation der stalinistischen Kommunistischen Partei Griechenlands angeschlossen und Schulbesetzungen gegen die Bildungspolitik der damaligen konservativen Regierung organisiert. Wochenlang fiel der Unterricht aus, Tsipras proklamierte ein "Grundrecht auf Schuleschwänzen". 2006 wurde Tsipras auf der Liste "Koalition der Linken und des Fortschritts" (Syn), eines Vorläufers des heutigen Bündnisses Syriza, in den Athener Stadtrat gewählt. Zwei Jahre später wurde er Parteichef.

Zwischen 2009 und 2012 vervierfachte sich der Stimmenanteil der Partei. Tsipras profitierte von der Krise, die ihm enttäuschte Anhänger der sozialdemokratischen Pasok in die Arme trieb. Bei der Europawahl im Mai wurde Syriza stärkste politische Kraft. Diesen Erfolg hofft er bei der Parlamentswahl zu wiederholen. Wenn Syriza an die Regierung komme, würden die Finanzmärkte "nach unserer Pfeife tanzen", kündigt Tsipras an. Das ist Musik in den Ohren vieler Griechen, die sich vom "Spardiktat" um ihre Würde gebracht fühlen.

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