ZUR PERSON: Ein stiller Rebell

Sein lautloser Protest auf dem Taksim-Platz in Istanbul bewegt die Welt. Erdem Gündüz will damit erreichen, dass auch die türkische Politik innehält.

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Vorbild für eine neue Protestform: der Tänzer Erdem Gündüz. Foto: dpa

Eine aufrechte Geste kann mehr bewegen als viele Worte. Mit seinem stummen Protest als "Stehender Mann" auf dem Taksim-Platz ist der türkische Tänzer und Choreograph Erdem Gündüz über die Türkei hinaus zum Vorbild für eine neue Protestform geworden. Die Aktion verbreitete sich schnell über den Kurznachrichtendienst Twitter (#duranadam) und fand viele Nachahmer.

Fast bewegungslos stand Gündüz mehr als sechs Stunden auf dem Taksim-Platz, den Blick auf das zum Abriss vorgesehene Atatürk-Kulturzentrum und ein Porträt des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk gerichtet. Polizisten durchsuchten ihn, zogen dann aber wieder ab. Türkische Medien berichteten, der Protest sei gegen die Regierung Erdogan gerichtet, aber auch gegen die einseitige Berichterstattung vieler Medien in der Türkei.

Gündüz, 1979 in Ankara geboren, studierte in Izmir zunächst Elektrotechnik, dann Agrarwissenschaften, heißt es in seinem Lebenslauf. 2003 wechselte er an die Technische Universität Yildiz in Istanbul, um dort Tanz zu studieren. 2007 nahm er in den USA an einem Austauschprogramm teil.

"Ich bin nichts. Die Idee ist wichtig. Warum gibt es Widerstand der Menschen gegen die Regierung?", sagte Gündüz, der keinen großen Wirbel um sich als Person wünscht, dem britischen Sender BBC. "Aber die Regierung hat nicht versucht zu verstehen, warum Menschen seit 19 Tagen auf den Straßen sind." Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, wie viele Menschen sich von seinem schweigenden Protest inspirieren lassen. "Das ist wirklich ein stiller Widerstand. Aber ich hoffe, die Menschen halten inne und denken darüber nach, was hier passiert ist", sagte er. "Meine Idee ist frei, mein Herz ist frei, mein Geist ist frei. Und ich glaube, dass dieses System nicht mehr weiter funktioniert."

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