ZUR PERON: Der freundliche Grüne

Pekka Haavisto ist kein Patriot, dafür ein überzeugter EU-Befürworter. Im finnischen Präsidentschaftswahlkampf hat er nun überraschend gepunktet.

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Auf Erfolgskurs: Präsidentschaftskandidat Pekka Haavisto.

Viele gute Eigenschaften gestehen die Finnen dem Grünen-Präsidentschaftskandidaten Pekka Haavisto zu, aber "vaterländisch" nicht. Als sie beurteilen sollten, welcher der ursprünglich acht Bewerber um das höchste Amt im Staate mit welchen Vorzügen ausgestattet sei, dachten null Prozent an Haavisto, wenn es um Patriotismus ging. Hingegen punktete der 53-Jährige, der sich im konservativen Finnland zu seiner Homosexualität bekennt, gut mit Toleranz und Empathie, Vorurteilslosigkeit und internationaler Orientierung. Und obwohl die Mehrheit der Finnen das "Vaterländische" für das Wichtigste an einem Präsidenten hält, reichten die übrigen Meriten, um Haavisto einen überraschenden Platz in der morgigen Stichwahl zu sichern.

Überraschend ist dies nicht wegen Haavistos Qualitäten, die für Topjobs aller Art weitaus reichen. Er war dabei, als sich die Umweltbewegung zur Grünen-Partei wandelte, war Redakteur der Zeitschrift "Komposti", wurde 1987 ins Parlament gewählt, 1993 zum Grünen-Chef und war zwei Jahre später Europas erster grüner Umweltminister. Er arbeitete für die Uno in Krisengebieten wie Afghanistan und war der EU-Delegierte bei den Friedensbemühungen im Sudan. Er ist entschiedener Befürworter von EU und Euro und damit den deutschen Grünen näher als denen in Skandinavien.

Doch er kommt von einer Partei, die bei den letzten Parlamentswahlen vor einem Jahr mit sieben Prozent nur auf Platz sechs lag und überflügelte nun mit 18,8 Prozent die Konkurrenten der fast dreimal so großen Sozialdemokraten oder "Wahren Finnen". In Helsinki schnitt er gar besser ab als der Konservative Sauli Niinistö, der als haushoher Favorit in die Stichwahl geht. Damit ist Haavisto Niinistös stärkster Konkurrent.

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