Zündeln im Ostchinesischen Meer

Chinas neu eingerichtete Zone zur Luftraumüberwachung reißt in ganz Ostasien alte Wunden auf. Japan lässt sich nicht einschüchtern und wird von den USA unterstützt. Wie gefährlich ist die Situation?

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Stärke zeigen: Ein Japanisches Militärflugzeug nahe einer der umstrittenen Inseln. Foto: afp

Die Lage im Ostchinesischen Meer wird immer verworrener. China erweitert eigenmächtig seine Flugsicherheitszone und erfasst damit auch die von Japan kontrollierten Senkaku/Diaoyu-Inseln. Das provoziert umgehend Proteste der japanischen Führung, die mit Linienmaschinen und Flugzeugen der Luftwaffe Chinas neue Bestimmung prompt missachten. Die USA stehen den Japanern zur Seite und lassen in der chinesischen Zone B-52-Bomber kreisen. Darauf schickt China seinen größten Flugzeugträger in die Region - was wiederum Taiwan und Südkorea alarmiert. Südkorea will nun ebenfalls Militärflugzeuge schicken. Alles nur Säbelrasseln?

Ja, aber nicht nur. An und für sich hat niemand Interesse an einer ernsthaften militärischen Auseinandersetzung - auch die Volksrepublik China nicht. Als vor einem Jahr schon einmal der Streit um die Inseln zu eskalieren drohte und Chinesen nach antijapanischen Protesten zum Boykott von Produkten aus Japan aufriefen, gab es Schaden auf beiden Seiten. Die Volkswirtschaften sind viel zu eng verwoben. Chinas Führung zeigte sich froh, als die Proteste abflauten. Mit der eigenmächtigen Erweiterung der Flugsicherheitszone hat sich die chinesische Führung in eine schwierige Situation manövriert. Denn jedes Mal, wenn auch nur eine Linienmaschine ohne speziell eingeholte Genehmigung die zwischen Japan und Südostasien stark frequentierte Route passiert, wird aus chinesischer Sicht ihre Zone verletzt.

Verhält sich China wie angekündigt konsequent, müsste sie die Maschinen zur Umkehr zwingen oder gar abschießen. Verhält sich die chinesische Luftabwehr besonnen und lässt die japanischen Flugzeuge gewähren, muss sich Chinas Führung im eigenen Land Schwäche vorwerfen lassen. Im chinesischen Netz häufen sich Stimmen, die Führung trete gegenüber Japan und den USA zu lasch auf.

Was von allen Seiten als symbolische Schikane gemeint ist, könnte schnell zu einer "unbeabsichtigten Kollision" führen, befürchtet Paul Haenle, Direktor des Zentrums für Globale Politik an der Tsinghua-Universität in Peking. Ginge es nur um die Inseln, ließe sich dieser Konflikt leicht lösen, glaubt Haenle. Sie sind unbewohnbar und die vermuteten Ressourcen könnten in einem fairen Verfahren aufgeteilt werden - sofern sie überhaupt vorhanden sind. Der Politologe geht ohnehin davon aus, dass der Inselkonflikt nur vorgeschoben ist. Allen Parteien gehe es um Hegemonie, Nationalismus und die Vormachtstellung in Ostasien.

Entsprechend stur verhält sich die chinesische Führung. "Japan hat absolut kein Recht, unverantwortlich die Einrichtung von Chinas Flugsicherheitszone zu kommentieren", wetterte der Sprecher des Verteidigungsministeriums als Reaktion auf Beschwerden aus Tokio. Japan solle seine vor 44 Jahren eingerichtete Zone zurücknehmen. Dann würde China in 44 Jahren seinen Schritt überdenken. Das klingt nach keinem schnellen Ende.

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