Zu einfach gemacht

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Korrespondent Berlin,Autorenfoto 2014,Dieter Keller  Foto: 

Das Verbrennen von Kohle trägt besonders viel zu den Treibhausgasen bei. Kein Wunder, dass Umweltministerin Barbara Hendricks im Klimaschutzplan 2050 gerne genaueres zum Kohleausstieg festgeschrieben hätte. Doch sie wurde vom damaligen SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ausgebremst, der Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit zu wenig berücksichtigt sah.

Jetzt versucht der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), das Thema neu zu beleben: Der Kohleausstieg sei bis 2035 möglich, also in 18 Jahren, so das Ergebnis einer Studie in seinem Auftrag. Die allerdings hat nicht etwa neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Tage gefördert, sondern nur andere Studien aus den letzten zweieinhalb Jahren ausgewertet. Recycling ist offensichtlich auch unter Wissenschaftlern üblich. Die Ergebnisse als Neuigkeit zu verkaufen, ist nicht ganz koscher, sondern eher in der Abteilung Show zu verbuchen.

Bei der Energiewende passt vieles nicht zusammen. Elektroautos werden als Königsweg gepriesen ohne aufzuzeigen, woher der Strom kommen soll, und das umweltfreundlich. Erneuerbare Energien werden stark gefördert, ohne frühzeitig den Ausstieg aus den Subventionen einzuplanen. Wohnhäuser und übrige Gebäude stehen viel zu wenig im Fokus. Das sind nur einige Beispiele. Wer da ein Datum für den Kohleausstieg festschreiben will, macht sich die Sache zu einfach, schon weil das willkürlich ist. Zumal es wenig hilft, ein Ziel nur für Deutschland festzulegen, wenn unsere Nachbarn etwa in Polen weiter auf die Kohle setzen. Am Ende exportieren die dann ihren Kohlestrom zu uns. Nötig ist ein Gesamtkonzept, bei dem alle Rädchen ineinander passen.

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Kommentare

25.04.2017 16:10 Uhr

Ohne Meta-Studien geht es nicht

Ich halte Meta-Studien nicht nur für legitim, sondern auch für höchst notwendig. Das Wuppertal-Institut hat für den NABU 6 Studien im Detail ausgewertet und insgesamt über 40 Veröffentlichungen zum Kohleausstieg berücksichtigt. Man kann weder von Politik, noch NGOs, noch Journalisten erwarten, dass sie dieses wissenschaftliche Material vollständig durchdrungen haben, um adäquat bewerten zu können, worin die Unterschiede liegen, bzw. wie etwaige Widersprüche zu bewerten sind. Dafür braucht es Metastudien.



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