Zankapfel Falkland-Inseln

200 Inseln im Südatlantik, ein nationaler Mythos und viel Geld: Vor 30 Jahren besetzte Argentinien kurzzeitig die britischen Falklands und will sie nun zurück. Dabei geht es auch um das Erdöl-Vorkommen.

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Mit Argentiniern sachlich über die Falkland-Inseln zu diskutieren ist fast unmöglich. Alle glaubten, Großbritannien habe ihnen die Malwinen, wie sie die Inseln nennen, gestohlen, erläutert der argentinische Psychologe Marcelo Aptekmann. "Argentinien, wie wir es heute kennen, existiert erst seit ungefähr 100 Jahren." Das Land sei rückwirkend erfunden worden und auch seine Geschichte. Dazu gehöre der Mythos der geraubten Inseln. "Diesen Glauben hat jedes argentinische Schulkind in den vergangenen 90 Jahren eingebläut bekommen, er ist fester Bestandteil unserer nationalen Identität."

Mit der Besetzung der zu Großbritannien gehörenden Inseln am 2. April 1982 wollte die damalige argentinische Militärregierung von der desolaten Wirtschaftslage und den zunehmenden Protesten ablenken. Allerdings begannen die britischen Streitkräfte im Mai mit der Rückeroberung und brauchten nicht einmal einen Monat dafür: Am 14. Juni 1982 kapitulierte Argentinien. Etwa 650 Argentinier, 255 Briten und drei Inselbewohner kamen ums Leben - ein Debakel für das argentinische Militär.

Zum 30. Jahrestag der Invasion will die argentinische Regierung den nationalen Anspruch auf die Inseln vom Desaster der Diktatur trennen. So schrieb der Journalist Luis Bruschtein in der regierungsfreundlichen Zeitung "Página/12", den Generälen der Diktatur habe die Invasion lediglich dazu gedient, ihre eigene Haut zu retten. Einer demokratischen Regierung müsse es um etwas anderes gehen. So wichtig wie die Gebietshoheit seien auch die Wirtschaft, die nationalen Interessen und der Schutz der natürlichen Ressourcen.

Spätestens seit der kurzen Stationierung Prinz Williams auf den Inseln rasseln die Säbel. Dagegen, dass die Briten außer ihrer Nummer zwei in der Thronfolge auch ein Kriegsschiff und möglicherweise ein Atom-U-Boot in die Region beorderten, protestierte die argentinische Regierung Anfang des Jahres vor den Vereinten Nationen. Es handele sich um eine "britische Militarisierung des Südatlantiks".

Dennoch entsandte Argentinien eine neue Botschafterin nach London. Nach dreieinhalb Jahren Leerstand soll die frühere Gewerkschafterin und Politikerin Alicia Castro Argentinien im Königreich vertreten. Denn jenseits aller Rhetorik geht es um handfeste wirtschaftliche Interessen. Castro soll die britische Regierung zu Neuverhandlungen über das bestehende Fischereiabkommen überreden.

Seit die Briten der Inselregierung erlaubt haben, Fanglizenzen für 25 Jahre in einer 340-Meilen-Zone zu vergeben, fischen über 100 Unternehmen vor allem aus Taiwan und Südkorea die Gewässer um die Inseln leer. Der Wert der jährlichen Fangmenge wird für das laufende Jahr auf rund 1,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Den Insulanern bringen allein die Lizenzgebühren 32 Millionen Dollar ein.

Noch ist der Fischfang die wichtigste Einnahmequelle der Inselbewohner. Mit einem Pro-Kopf-Anteil von 65 000 Dollar am Bruttoinlandsprodukt liegen die 3000 zivilen Bewohner und 1500 Soldaten rein rechnerisch auf Platz vier der Weltrangliste, nach Katar, Lichtenstein und Luxemburg. Ihre Einnahmen könnten dank einer anderen Ressource noch steigen: Britische Ölfirmen errichteten 2010 erstmals eine Bohrplattform in den Küstengewässern. Aus rund 120 Feldern könnte einmal Öl sprudeln.

Verhandlungen über eine gemeinsame Ausbeutung der Rohstoffe brach Argentinien ab. Die Briten hätten gegen bestehende Vereinbarungen verstoßen, beklagte die Regierung in Buenos Aires. Hinter vorgehaltener Hand hieß es aber, die argentinischen Firmen könnten technisch und finanziell nicht mit den britischen mithalten.

Nun kündigte Argentinien an, juristisch gegen die Öl- und Logistikunternehmen und die geldgebenden Banken vorzugehen. Dabei geht es um viel Geld. Die Erdöl-Vorkommen werden auf knapp 13 Milliarden Faß (159 Liter) Öl geschätzt. Schon die Hälfte davon ist nach Berechnungen der argentinischen Wirtschaftszeitung "El Cronista" drei Mal so viel Wert wie die gegenwärtigen Reserven Argentiniens. Die Malwinen könnten einmal so reich sein wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate.

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