Wirbel um Bundesbank-Chef

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat aus Protest gegen den Kurs der Europäischen Zentralbank in der Euro-Schuldenkrise an Rücktritt gedacht.

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Im Streit um den Kurs der EZB in der Euro-Schuldenkrise hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann angeblich mehrfach einen Rücktritt erwogen. "Bild" berichtete gestern, Deutschlands oberster Währungshüter habe einen solchen Schritt mit der Bundesbank-Spitze erörtert, sich aber letztlich auch auf Drängen der Bundesregierung dagegen entschieden. In hochrangigen Bundesbankkreisen wurde das dementiert: "Derlei Gespräche fanden nicht statt."

Rückendeckung erhielt Weidmann von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Weidmann war Wirtschaftsberater im Kanzleramt, ehe er im Mai 2011 Nachfolger des zurückgetretenen Bundesbank-Chefs Axel Weber wurde. Vize-Regierungssprecher Georg Streiter erklärte, Merkel habe betont, dass sie "Jens Weidmann natürlich als unserem Bundesbanker den Rücken stärkt, dass er möglichst viel Einfluss auch innerhalb der EZB hat". Weidmann sagte im "Spiegel" zur Frage nach Rücktrittsgedanken: "Ich kann meiner Aufgabe am besten gerecht werden, wenn ich im Amt bleibe."

Der Bundesbank-Präsident wehrt sich vehement dagegen, dass die EZB im Kampf gegen die Schuldenkrise weitere Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft. Nach seiner Überzeugung verstößt die Notenbank damit gegen das Verbot der Staatsfinanzierung mit Hilfe der Notenpresse.

Mit dieser Haltung steht Weidmann aber in der EZB-Spitze im Grunde alleine da. Außer Weber hatte auch EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sein Amt im Streit um den geldpolitischen Kurs der EZB niedergelegt. Die EZB bereitet ein neues Aufkaufprogramm für Staatsanleihen vor. So sollen die Zinslasten für Krisenstaaten gedrückt werden. Details des Programms werden in der kommenden Woche erwartet.

Sollte Griechenland die Eurozone verlassen, könnte die Arbeitslosigkeit auch in Deutschland stark ansteigen. Von derzeit 6,8 Prozent werde die Arbeitslosenquote bis 2015 auf neun Prozent ansteigen, erklärte Ekkehard Ernst, Volkswirt der Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (Ilo). Ein völliges Auseinanderbrechen der Euro-Zone habe noch weit drastischere Konsequenzen.

In der kommenden Woche nehmen die Kontrolleure der internationalen Geldgeber (Troika) wieder ihre Arbeit in Athen auf.

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