Wer war der Terrorist in der französischer Kirche?

Die Eltern wohlhabend und gut integriert, der Junge unscheinbar – der Täter hinter dem  Angriff auf eine französische Kirche macht viele ratlos.

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Als „eine Gotteslästerung, ein Sakrileg“ brandmarkt Dalil Boubakeur, Rektor der Moschee von Paris, die grausame Ermordung des 86-jährigen katholischen Priesters Jacques Hamel in der normannischen Kleinstadt Saint-Etienne du Rouvray. Aber eine Antwort auf die bohrende Frage, die seit Dienstag keineswegs nur Frankreich aufwühlt, vermochte auch er nicht zu finden: Wie kann ein 19-jähriger, aus einer perfekt integrierten Familie algerischer Einwanderer stammender Jugendlicher so fanatisiert werden, dass er gemeinsam mit einem Komplizen einen greisen Geistlichen vor dem Altar seiner Kirche auf die Knie wirft und ihm die Kehle durchschneidet?

Fest steht inzwischen, dass es Adel Kermiche nicht weit hatte zum Ort seiner Gräueltat. Die Kirche Saint-Etienne, der das 30 000 Einwohner zählende Städtchen im Süden von Rouen den Namen verdankt, liegt nur wenige Straßen entfernt von dem Haus seiner gutsituierten Familie (die Mutter ist Professorin, die Schwester Ärztin). Fest steht auch, dass die Justizbehörden Kermiche nicht für gefährlich gehalten haben, obwohl er als Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Stadt“ (IS) bekannt war. Gleich zweimal hatte Kermiche im vergangenen Jahr versucht, in den Dschihad zu ziehen. Das erste Mal wurde er in Deutschland abgefangen, keine zwei Monate später an der türkisch-syrischen Grenze.

Nach zehn Monaten Untersuchungshaft  entschied der Richter im März, Kermiche bis zu seinem Prozess unter Auflagen in den Hausarrest zu entlassen. So musste der junge Mann eine elektronische Fuß- fessel tragen, durfte sich an Werktagen nur zwischen 9.30 und 12.30 Uhr von seinem Elternhaus entfernen und hatte sich einmal pro Woche auf dem Polizeikommissariat zu melden. Folgerichtig lösten Kermiches elektronische Fußfesseln keinen Alarm aus, als er sich am Dienstagmorgen zur Kirche Saint-Etienne begab. Wie sein noch nicht identifizierter Komplize war er mit einem Messer bewaffnet und trug eine Sprengstoffgürtel-Attrappe. Einer der beiden hatte außerdem einen funktionsuntüchtigen Revolver dabei. Für die Ermittler deutet das darauf hin, dass die Täter entschlossen waren, nach ihrer Bluttat die tödlichen Schüsse der Polizei zu provozieren, um als Märtyrer zu sterben.

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