Weniger Drogentote

In Deutschland sterben immer weniger Menschen an ihrer Heroinsucht. Der Konsum anderer harter Drogen steigt allerdings. Und auch Cannabis gilt wegen steigender Wirkstoffkonzentrationen als immer gefährlicher.

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Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist 2011 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gesunken. 986 Menschen und damit 20 Prozent weniger als 2010 starben an den Folgen des Konsums harter Drogen, teilte die Bundes-Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) mit. Damit sind die Zahlen der Todesfälle durch Heroin und andere Drogen seit 2008 rückläufig.

Die Haupttodesursache war erneut eine Überdosierung von Heroin in Verbindung mit anderen Drogen. 85 Prozent der Todesopfer waren männlich, was nach Angaben Dyckmans" auch der Geschlechterverteilung beim Konsum harter Drogen entspricht. Das Durchschnittsalter der Drogentoten betrug 37 Jahre. Bei den Drogenkonsumenten unter 20 Jahren war der Rückgang an Todesfällen mit minus 79 Prozent besonders groß. Bei jüngeren Menschen sei der Heroinkonsum immer weniger verbreitet, erläuterte die Drogenbeauftragte.

Dyckmans wertet den Rückgang auch als Erfolg der Drogen- und Suchtpolitik. Maßnahmen wie Substitutionsprogramme, die Behandlung mit Diamorphin oder beaufsichtigte Räume für Drogenkonsumenten etablierten sich. Für einen derart starken Rückgang gebe es aber noch keine abschließende Erklärung, räumte sie ein. Ein weniger starker Rückgang oder gar eine erneute Zunahme von Drogentoten im kommenden Jahr sei durchaus möglich.

Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, erklärte, die Zahl polizeilich registrierter erstauffälliger Konsumenten sei 2011 mit mehr als 21 300 (plus 14,5 Prozent) deutlich gestiegen. Die Zahl der Heroinkonsumenten ging dabei um 14,3 Prozent auf rund 2740 zurück, die Zahl erstauffälliger Kokainkonsumenten stieg hingegen um vier Prozent auf rund 3340. Um 19,6 Prozent auf 14 400 wuchs die Zahl der erstmals auffälligen Konsumenten von Amphetamin und Methamphetamin. Dabei wurden knapp 1700 Nutzer von "Crystal" - kristallinem Methamphetamin - registriert. Das entspricht einem Anstieg um knapp 164 Prozent im Vergleich zu 2010.

Ziercke warnte zugleich davor, Cannabis weiterhin als "weiche Droge" zu sehen. Bei Indoorplantagen sei ein wesentlicher höherer Wirkstoffgehalt von bis zu 20 Prozent festgestellt worden. Bei Outdoor-Pflanzen seien es bis zu sieben Prozent. Großbritannien habe daher die Gefährlichkeit von Cannabis bereits heraufgestuft.

Die Bundesstatistik entspricht dem Landestrend: In Baden-Württemberg starben nach Zahlen des Innenministeriums vom Januar im vergangenen Jahr 137 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums - 31 weniger als 2010. Der Höchststand wurde im Jahr 2000 mit 287 Drogentoten registriert.

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