Weder Opfer noch Täter

Die Angehörigen von Straftätern stehen meist nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Sie sind weder Opfer noch Täter und dennoch Betroffene.

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"Ich werde immer der Vater des Terroristen sein. Damit muss ich leben. Die Verluste anderer Menschen sind größer", schreibt Jens Breivik in seinem 2014 erschienenen Buch "Meine Schuld". Er ist der Vater von Anders Behring Breivik, der 2011 in Oslo und auf Utöya 77 Menschen ermordet hat. In seinem Zitat betont Breivik, dass die Opfer und deren Angehörige zwar wesentlich größere Verluste haben. Doch es gibt auch noch die Angehörigen der Täter. Und die leiden ebenfalls.

In Deutschland sind 95 Prozent der Inhaftierten Männer, meist sind also Frauen und Kinder als Angehörige betroffen. Und natürlich, sofern sie noch leben, die Eltern.

Wirtschaftlich trifft die Partnerinnen vor allem der Einkommensverlust. Bei Hartz-4-Empfängern entfällt der Anteil des Partners und bei Selbstständigen muss die Frau von einem auf den anderen Tag ein Unternehmen führen. Oft muss die Familie aus Geldmangel umziehen. Christel Brendle vom "Treffpunkt" in Nürnberg beschreibt die Gefühlslage der Partnerinnen zwischen Wut, Scham und Verzweiflung. Die Einrichtung kümmert sich um die Angehörigen von Straffälligen.

Den Nürnberger "Treffpunkt" gibt es seit 22 Jahren. Er zählt zu den Vorreitern in der Betreuung der Angehörigen von Straftätern. Christel Brendle leitet die Gesprächsgruppe für Eltern. Es gebe nur wenige Angebote für Angehörige Straffälliger, sagt sie. Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe (BAGS) listet auf ihrer Homepage knapp 40 spezialisierte Beratungsstellen auf - bundesweit. In Relation zu den etwa 60 000 Inhaftierten ist das wenig.

Die BAGS weist in einer Orientierungshilfe darauf hin, dass sich lange Zeit weder Strafvollzug noch Straffälligenhilfe des Themas angenommen haben. Mit dem 2010 veröffentlichten Praxisleitfaden wollte die BAGS dazu beitragen, dies zu ändern. Und Christel Brendle vom Treffpunkt hat den Eindruck, dass sich in den vergangenen Jahren tatsächlich etwas getan hat.

In Baden-Württemberg, so sagt ein Sprecher des Justizministeriums, seien die Belange der Angehörigen ein großes Anliegen. Es gibt zum Beispiel im Land die Möglichkeit, die Besuchszeiten auf bis zu vier Stunden zu erweitern. Man versuche die Besuchsräume freundlich zu gestalten, auch Spielecken für Kinder gibt es. In der Frauenhaftanstalt in Schwäbisch Gmünd besteht die Möglichkeit, dass Mütter mit ihren Kindern gemeinsam untergebracht werden. Das Justizministerium erhofft sich durch seine Maßnahmen eine bessere Vorbereitung für die Zeit nach der Haft.

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