Donald Trump gewinnt US-Wahl

Der Überraschungssieg des politisch unerfahrenen Quereinsteigers Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl versetzt Amerika und das Ausland in Aufruhr.

|
Entsetzt verfolgt eine Frau bei einer Wahlveranstaltung der Demokraten die Bekanntgabe der Ergebnisse. Foto: Justin Lane

Der Überraschungssieg des politisch unerfahrenen Quereinsteigers Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl versetzt Amerika und das Ausland in Aufruhr.

Mit seinem Triumph über Hillary Clinton widerlegte der als Außenseiter ins Rennen gegangene Populist die meisten Umfragen. Er regiert von Januar an die größte Wirtschafts- und Militärmacht der Welt. Dank des Doppelsiegs seiner Republikaner in beiden Kongresskammern kann er politische Vorhaben womöglich ohne große Gegenwehr durchsetzen.

Nach einem der schmutzigsten und polarisierendsten Wahlkämpfe der US-Geschichte sagte Trump in seiner Dankesrede am Mittwochmorgen (MEZ) vor Anhängern in New York, er wolle das - tief gespaltene - Land nun einen. Den Menschen anderer Länder biete er die Partnerschaft der USA an, nicht ihre Feindschaft. „Wir werden großartige Beziehungen pflegen“, versprach der 70-Jährige in seinem typischen Duktus. Amerika gehe aber vor.

Die Demokratin Hillary Clinton äußerte sich öffentlich zunächst nicht zu ihrer Niederlage, räumte sie nach CNN-Angaben aber in einem Telefonat mit Trump ein. Ihre politische Karriere dürfte damit beendet sein. Auch US-Präsident Barack Obama gratulierte nach CNN-Informationen seinem Nachfolger Trump. Beide wollten sich am Donnerstag treffen, hieß es weiter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Trump zum Wahlsieg und bot ihm eine „enge Zusammenarbeit“ an. Zugleich erinnerte sie Trump an dessen künftige Verantwortung. Im Wahlkampf hatte Trump Merkels Politik als „totales Desaster“ bezeichnet.

Die Wahlnacht in den USA entwickelte sich zur extremen Zitterpartie. Letztlich konnte Trump die meisten umkämpften Wechselwählerstaaten wie Florida und Ohio für sich entscheiden. Vor allem im industriell geprägten Nordosten des Landes, dem einst florierenden und inzwischen vom wirtschaftlichen Abschwung gebeutelten „Rostgürtel“, konnte Clinton nicht wie erwartet punkten. Nach vorläufigen CNN-Angaben (Stand 12.30 Uhr MEZ) brachte Trump so mindestens 289 Wahlleute hinter sich, die über den nächsten Präsidenten entscheiden. Clinton kam demnach nur auf 218, nötig sind 270.

Trump wird bei seinem Amtsantritt am 20. Januar der älteste neu vereidigte US-Präsident sein - und der erste seit Dwight D. Eisenhower ohne politische Amtserfahrung. Beim Regieren kann er sich auf die republikanische Mehrheit in Senat und Abgeordnetenhaus stützen. Die Konservativen verteidigten ihre Dominanz in beiden Kongresskammern. Dem Präsidenten Trump eröffnet dies weitreichende Möglichkeiten - nicht nur in der Gesetzgebung, sondern beispielsweise auch bei der folgenreichen Neubesetzung des Supreme Courts.

In seiner Dankesrede bekräftigte der reiche Immobilienmogul bekannte Wahlversprechen wie die Verdopplung des Wirtschaftswachstums. Außerdem werde er ins Ausland abgewanderte Arbeitsplätze in die USA zurückholen und die Infrastruktur des Landes aufbauen. Er habe einen „großartigen“ ökonomischen Plan für Amerika, sagte der Milliardär.

Im Rest der Welt wird Trumps Sieg mit großer Sorge gesehen. Völlig unklar ist bislang, was er für das bislang so enge Verhältnis der USA zu ihren Partnern in Europa und innerhalb der Nato bedeutet. Im Wahlkampf hat Trump angekündigt, den Verbündeten mehr abzuverlangen und sie für militärischen Schutz stärker zur Kasse zu bitten.

Fraglich auch, ob der im Wahlkampf vom Kreml und russischen Medien hofierte Republikaner die Abschreckungspolitik der Nato gegenüber Moskau unterstützt. Russlands Präsident Wladimir Putin gratulierte ihm als einer der ersten Staatschefs und äußerte die Hoffnung auf bessere Beziehungen zwischen beiden Atommächten.

Befürchtet wird, dass Trump nun hart erarbeitete Vereinbarungen wie das Atomabkommen mit dem Iran, den Pariser Klimavertrag und bestehende Freihandelsvereinbarungen aufkündigt. Für den umstrittenen Handelspakt TTIP könnte sein Sieg der Sargnagel sein.

Die Präsidenten des EU-Rats und der EU-Kommission luden Trump in einem Glückwunschschreiben zu einem baldigen Gipfeltreffen in Europa ein. „In diesen Tagen ist es wichtiger denn je, die transatlantischen Beziehungen zu stärken“, schreiben sie mit Blick auf den Klimawandel, Anti-Terror-Kampf sowie die Flüchtlings- und Ukraine-Krise. Bundesaußenminister Steinmeier schlug ein Sondertreffen der EU-Außenminister am Sonntagabend in Brüssel vor.

Die meisten europäischen Politiker erwarten schwierigere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Rechtspopulisten wie die Französin Marine Le Pen und die deutsche AfD-Politikerin Beatrix von Storch gratulierten Trump hingegen, genau wie der rechtskonservative ungarische Ministerpräsident Viktor Orban.

Trump hatte mit populistischen Parolen Wahlkampf gemacht. Er wetterte gegen Einwanderer und Muslime, kritisierte ungestrafte Abtreibung und lehnte die Einschränkung des Rechts auf Waffenbesitz ab. Seine Stimmungsmache verfing offensichtlich stärker, als es Meinungsforscher vorausgesehen hatten. Die Märkte reagierten auf Trumps Wahlsieg mit starken Kursschwankungen.

Noch nie in der Geschichte der US-Wahlen waren zwei Kandidaten so unbeliebt: Trump wegen seiner Art und seiner Ausfälle, Clinton wegen ihrer Skandale und ihrer Nähe zum bestehenden System. Fakten und Inhalte spielten im Kampf um das Weiße Haus kaum eine Rolle.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

09.11.2016 17:36 Uhr

Antwort auf „"Außenseiter" ?”

http://www.wiedenroth-karikatur.de/02_AktuKariListeText.html

;-)

Antworten Kommentar melden

09.11.2016 10:18 Uhr

"Außenseiter" ?

Die Amerikaner haben Donald Trump gewählt und die Überraschung im Lager der Clintonfreunde ist kaum zu übersehen. Für die politischen Vasallen in Europa, die sich im Schatten einer arroganten Großmachtpolitik wohl gefühlt haben, wird es jetzt eng. Es wird geschäumt und die gewohnten Unterstellungen haben da immer noch nicht an Attraktivität eingebüsst bei denen, die ihre wirklichkeitsfremde Rethorik zu sehr gewohnt sind, um sie aufgeben zu wollen.
Schaum vor dem Mund ist kein Anzeichen für die eine nüchterne und faire Überlegtheit, die dieser Wahlsieg jetzt geradezu herausfordert nach all der Schmutzwäsche, die jetzt auf die Tonne wartet, in der sie besser geblieben wäre. Donald Trump hat unmissverständlich seine Hand zur Versöhnung ausgestreckt und die rethorischen Kreuzritter dürfen sich jetzt überlegen, ob sie Don Quichote wirklich für ein attraktives Vorbild halten können. Donald Trump hat sich eindeutig auf die Seite der Amerikaner gestellt, die in dem Raubzug der Finanz- und Profithaie zu hoffnungslosen Opfern geworden sind und ihr Vertrauen gewonnen. Mit der parlamentarischen Mehrheit im Kongress hat er nun gute Aussichten für seinen Aufbruch, der wesentlich glaubwürdiger wirkt als die mit "Friedenstrommeln" begleiteten Umtriebe gerade im Nahem Osten, wo sich seit dem Einsatz Russlands einigen Potentaten unüberindliche Hürden in den Weg stellen, wenn sie ihre selbtsherrlichen Machtpläne unverdrossen weiterverfolgen.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Geschäftsleute beklagen unhaltbare Zustände in Ulmer Bahnhofstraße

Bei Regen und Kälte ist nur wenig zu sehen von den unhaltbaren Zuständen, die einige Geschäftsleute auf der Bahnhofstraße beklagen. Doch es gibt sie, auch wenn es derzeit eher entspannt zugeht. weiter lesen