Von Müttern und Vätern

Familie und Beruf sind schwer unter einen Hut zu bekommen. Spitzenkräfte in der Politik wie in der Wirtschaft trifft das besonders.

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Drei Meldungen fielen da in dieser Woche auf: Die Chefin der Berliner BVG, Sigrid Evelyn Nikutta, bekommt im Juni ihr fünftes Kind. Ihre Arbeit bei der Nahverkehrsgesellschaft will sie nur kurz unterbrechen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), die im März Nachwuchs erwartet, hat Ärger in ihrem Ministerium, weil sie zu häufig nicht erreichbar sei, aber überall mitreden wolle. Das berichtet zumindest eine "Spiegel"-Journalistin. Vizekanzler Sigmar Gabriel nahm Anfang der Woche für einige Tage frei, um sich daheim in Goslar um seine Scharlach-kranke Tochter zu kümmern.

Nein, wir mokieren uns nicht darüber, wenn sich auch Männer um ihre (kranken) Kinder kümmern, und sei es der SPD-Chef. Ganz im Gegenteil. Seine Frau ertrage den Spruch nur begrenzt, "dass ich immer ganz wichtiges zu tun hätte, wenn's zuhause mal Probleme gibt", was verständlich ist. Sie hat in Goslar eine Zahnarztpraxis, die sie offen halten muss. Das Hüten der dreieinhalbjährigen Marie hinderte Gabriel aber nicht an diversen Interviews. In der Kunst ist er groß.

Von Schwesig dagegen ist nichts mehr zu hören, seit sie Ende Januar in Mutterschutz ging. Der ihr rein rechtlich gar nicht zusteht, genauso wenig wie Elternzeit. Darauf haben nur Arbeitnehmer einen Anspruch, während Minister in einem öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis stehen. Aber sie können ihre Arbeitszeit frei bestimmen. Am 1. Mai will die 41-Jährige wieder einsteigen. Das geht nur, weil ihr Mann Elternzeit nimmt und das Baby und den neunjährigen Sohn versorgt. Wegen ihm habe sie schon bisher freitags viele Termine im heimischen Mecklenburg-Vorpommern gemacht und am Wochenende das Handy abgeschaltet. Daher bleibe viel Arbeit liegen, wird kolportiert.

Dass sich der Ehemann um den Nachwuchs kümmert, vereint Schwesig mit BVG-Chefin Nikutta, die schon bei der Geburt ihres vierten Kindes mit Laptop und Handy Kontakt zur Zentrale hielt. Trotz solcher Hilfsmittel leiden sowohl Mütter als auch Väter, deren Kinder weitab von Berlin leben, unter der Trennung. Sie sollten Verständnis finden, wenn sie am Wochenende nicht noch jede Veranstaltung besuchen. Es gibt Wichtigeres.

Es gibt Wichtigeres als der Besuch jeder Veranstaltung

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