Verfassungsschutz will Möglichkeit für Cyber-Gegenangriffe

|
Hans-Georg Maaßen: „Wir halten es für notwendig, dass wir nicht nur rein defensiv tätig sind“. Foto: Oliver Berg

Die deutsche Spionageabwehr muss nach Ansicht von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen die Möglichkeit erhalten, mit Gegenangriffen auf Cyber-Attacken reagieren zu können.

„Wir halten es für notwendig, dass wir nicht nur rein defensiv tätig sind“, sagte Maaßen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Sondern wir müssen auch in der Lage sein, den Gegner anzugreifen, damit er aufhört, uns weiter zu attackieren.“ Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ist für die Abwehr von Spionage zuständig. Maaßen schloss zugleich nicht aus, dass es beim Bundestagswahlkampf „zu Versuchen der Einflussnahme von außen kommt“.

Maaßen stellt sich mit seinen Äußerungen zu einem schärferen Vorgehen gegen Hackerangriffe hinter Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Dieser hatte in seinen Vorschlägen für eine bessere Sicherheitsarchitektur in Deutschland die Möglichkeit für aktive Gegenmaßnahmen bei Cyber-Attacken gefordert. Er schrieb: „Wenn wir identifiziert haben, woher ein Cyber-Angriff kommt, müssen wir ihn auch aktiv bekämpfen können.“

Maaßen sagte dazu der dpa: „Ich befürworte diese Unterstützung aus fachlicher Sicht.“ Derzeit sei es dem BfV beispielsweise nicht möglich, ausgespähte Daten zu löschen, die von einem Täter auf einem Server abgelegt werden. „Damit besteht die hohe Gefahr, dass sich der Schaden vervielfacht, da nun neben dem Täter auch Dritte in die Daten Einsicht nehmen könnten.“ In diesem Fall müssten die deutschen Behörden die rechtliche Kompetenz erhalten, diese Daten zur Gefahrenabwehr zu löschen. Maaßen hält es auch für erforderlich, „dass es eine klare Regelung dafür gibt, Angriffs-Infrastrukturen auszuschalten, von denen schwerwiegende Gefahren für die Cybersicherheit ausgehen“.

Das BfV hatte in den vergangenen Monaten etwa einen „eklatanten Anstieg“ sogenannter Spear-Phishing-Attacken gegen Parteien und Bundestagsfraktionen registriert. Dabei werden von den Hackern gezielt Mails mit einem für den Adressaten vertrauenswürdig erscheinenden, aber gefälschten Absender verwendet.

Diese Attacken werden demnach der Angriffskampagne APT28 zugeschrieben, die auch für einen Angriff auf die US-Demokraten verantwortlich gemacht wird. Daraus „erbeutete“ E-Mails wurden in der Schlussphase des Präsidentschaftswahlkampfs im Oktober 2016 veröffentlicht, zum Nachteil der demokratischen Bewerberin Hillary Clinton. Sie unterlag ihrem republikanischen Rivalen Donald Trump. APT28 werden Verbindungen zu russischen Regierungsstellen nachgesagt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Beziehungstat: Drei Leichen in Eislinger Tiefgarage gefunden

Eine Frau hat am Donnerstag in einer Eislinger Tiefgarage drei Leichen in einem BMW entdeckt. Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus. Eine 56-Jährige hatte ihren Mann verlassen und einen neuen Freund: der Ehemann kündigte eine Gewalttat an. weiter lesen