USA verdrängen die Klimadebatte

Hurrikan „Irma“ entfacht in den USA die Debatte über die menschliche Verantwortung für auffällige Wetter­phänomene. Doch der US-Präsident hört weg.

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Hurrikan „Irma“ richtete in Florida Schäden an. Auch diese Yacht hielt seiner Kraft nicht stand.  Foto: 

Einen ganzen Tag lang hat Hurrikan „Irma“ über dem US-Staat Florida getobt und von Key West über Miami bis nach Tampa und Orlando Spuren schwerer Verwüstung hinterlassen. Nun zieht der Tropensturm in abgeschwächter Form weiter. Sicher ist, dass „Irma“ einer der teuersten Stürme in der Geschichte der USA sein wird. Umso mehr hoffen Wissenschaftler, dass die verheerenden Verwüstungen der Debatte um den Klimawandel neues Leben einhauchen wird.

Am Montag waren über 5,8 Millionen US-Bürger ohne Strom. Schwere Schäden hatte die starken Winde und Sturmfluten auch am internationalen Flughafen von Miami angerichtet, der für ungewisse Zeit geschlossen bleibt. Um bei den Aufräumungsarbeiten zu helfen, waren tausende Freiwillige und Mitarbeiter von Stromversorgungsunternehmen aus anderen US-Staaten angereist. Sie wollten mit den Reparaturen beginnen, sobald die Straßen wieder befahrbar sind.

 Unterdessen flammt die Debatte um die politischen Folgen in voller Schärfe auf. Schließlich haben mit den Tropenstürmen „Harvey“, der weite Teile von Houston versenkt hatte, und „Irma“ erstmals zwei Hurrikane der Kategorie 4 in demselben Kalenderjahr das amerikanische Festland erreicht. Zudem zeichneten sich beide Sturmsysteme durch eine noch nie dagewesene Intensität  und Breite aus. Schlagende Beweise für das, was Klimaforscher seit langer Zeit behaupten, dass die globale Erwärmung die Tropenstürme zwar nicht verursacht, deren Häufigkeit und Stärke aber deutlich erhöht.

Freiwillige wollen anpacken

Während des Sommers schien für einige Wochen die Diskussion auch wieder in Schwung zu kommen. Knapp zwei Monate, nachdem Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen verkündet hatte, war in Kinos der neue Film des früheren Vizepräsidenten Al Gore angelaufen. Nach anfänglichem Interesse ließ die Begeisterung für den Streifen, der an verkauften Tickets gemessen bisher magere 3,5 Millionen Dollar umsetzen konnte, aber wieder deutlich nach. Aus den Schlagzeilen verdrängt hat den Nobelpreisträger nämlich ein Präsident, der den Klimawandel leugnet, sich mit gleichgesinnten Beratern und Kabinettsmitgliedern umgeben und zahlreiche Maßnahmen ergriffen hat, um dem Ausbau alternativer Energien einen Riegel vorzuschieben.    

Unter anderem hat Trump Regularien zur Aufsicht der Öl- und Gasindustrie sowie des Kohle­bergbaus deutlich reduziert. Zurückgefahren hat er auch Zuschüsse für Forschung über die Ursachen und Folgen des Klimawandels. Ohne Genehmigung des republikanisch beherrschten Kongresses wird zudem in wenigen Wochen ein Programm auslaufen, das Eigenheimbesitzer in gefährdeten Küstengebieten versichert. Zwar appellieren Demokraten an US-Präsident Trump, angesichts der jüngsten Wetterkatastrophen seine Position zu überdenken. Solange das Versprechen einer Wiederbelebung der fossilen Energieindustrie aber seine politische Basis begeistert und mit Scott Pruitt ein Mann die Bundesumweltbehörde EPA leitet, der globale Erwärmung für eine Lüge hält, wird Trumps Rückkehr in die Vergangenheit fraglos weiter andauern.

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