USA verärgern Karsai

Afghanistans Präsident Karsai ist empört: Seine Regierung soll zunächst vor der Tür bleiben, wenn die USA Friedensgespräche mit den Taliban führen. Nun droht Kabul den USA mit Boykott von Verhandlungen.

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Hamid Karsai ist verärgert. Der afghanische Hohe Friedensrat werde nicht an Verhandlungen teilnehmen, solange es sich nicht um einen vollständig von Afghanen geführten Friedensprozess handele, teilte der Präsidentenpalast gestern in Kabul mit. Zuvor hatte Karsai bereits aus Protest Verhandlungen mit Washington über ein bilaterales Sicherheitsabkommen ausgesetzt.

US-Präsident Barack Obama verteidigte die geplanten Gespräche der USA mit den Taliban. Auf Karsais Kritik reagierte er gelassen. "Wir wussten, dass es Spannungen geben würde", sagte er bei seinem Besuch in Berlin. "Das ist keine Überraschung." In Afghanistan herrsche großes Misstrauen. "Wir sind mitten im Krieg." Trotzdem rief Obama auf, den Prozess der Verständigung zwischen den Konfliktparteien fortzusetzen. Kanzlerin Angela Merkel lobte die Initiative.

Die Taliban hatten am Vortag ein Verbindungsbüro in Katars Hauptstadt Doha eröffnet. Die US-Regierung hatte daraufhin direkte Gespräche mit den Aufständischen angekündigt, die nach einem Bericht der "Washington Post" heute beginnen sollen. Karsai besteht darauf, dass die Taliban mit seiner Regierung verhandeln. Die Aufständischen lehnen das bisher ab.

Trotz der bevorstehenden Gespräche mit den USA wollen die Taliban ihre Angriffe und Anschläge in Afghanistan allerdings fortsetzen. "Das Islamische Emirat Afghanistans verfolgt politische und militärische Optionen", sagte Mohammed Sohail Shaheen vom Taliban-Verbindungsbüro in Doha gestern. "Es gibt jetzt keinen Waffenstillstand. Sie greifen uns an und wir greifen sie an. Die Angriffe werden parallel zu den Friedensgesprächen weitergehen."

Karsai ließ mitteilen, Afghanistan wolle Friedensgespräche mit den Taliban auf Basis der Errungenschaften der vergangenen zehn Jahre. "Aber von diesem Büro in Doha geht eine Botschaft von Krieg und Blutvergießen aus." Die afghanische Regierung ist auch über die Art und Weise verärgert, wie die Taliban das Büro in Doha eröffneten. Sie hatten dort unter anderem ihre Flagge gehisst. Dies wertet Kabul als Provokation, die im Widerspruch zu Zusagen der US-Regierung stehe.

Zum Aussetzen der Verhandlungen über ein bilaterales Sicherheitsabkommen mit den USA teilte der Präsidentenpalast in Kabul mit, Grund seien "Widersprüche zwischen den Taten und den Aussagen der Vereinigten Staaten von Amerika hinsichtlich des Friedensprozesses".

Zentraler Teil des Abkommens ist das Truppenstatut, das ausländischen Soldaten nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 Immunität zusichert. Ohne das Abkommen steht die geplante Folgemission infrage.

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