USA und Russland verlängern Syrienkrieg

Ausländische Mächte macht Jean-Abdo Arbach, Erzbischof von Homs, für die Dauer des Syrien-Kriegs verantwortlich. Es sei ein Spiel mit dem Feuer.

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Mit einer besonderen Sicht auf den Konflikt in Syrien wartet der griechisch-katholische melkitische Erzbischof von Homs, Jean-Abdo Arbach auf. Der Kirchenmann macht ausländische Mächte für den Syrienkrieg verantwortlich. „Es ist ein Spiel mit dem Feuer zwischen Russland und Amerika, eine Komplizenschaft nicht nur gegen Syrien, sondern gegen die Christen“, sagte Arbach im syrischen Zaidal. Gleichzeitig warnte der 1952 geborene Ordensmann der Basilianer vor einem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Ein Land ohne Präsident könne nicht überleben, Syrien ohne einen Präsidenten „wäre viel gefährlicher“.

Laut Arbach existiert die von Europa unterstellte Spaltung zwischen Christen und Muslimen in dieser Form nicht. In den von der Regierung kontrollierten Gebieten gebe es „bis heute kein Problem mit dem Zusammenleben“. Prinzipiell bestünden gute Beziehungen; Probleme seien lokal begrenzt und personenbezogen. „Im Gegenteil, die Christen können nicht ohne die Muslime leben und umgekehrt. Viele unserer Arbeiter sind Muslime, auch in der Kathedrale.“

Der Bischof betonte, Europa habe berechtigten Grund zur Sorge angesichts der wachsenden Gefahr durch Kämpfer des „Islamischen Staats“ (IS). Mit der Ankunft der Russen in Syrien hätten tausende IS-Kämpfer das Land verlassen. Unter den Rebellen seien viele Ausländer aus 80 Ländern, „darunter viele Konvertiten aus Europa“, so Arbach.

Die melkitische, mit Rom verbundene Kirche ist mit rund 230 000 Mitgliedern eine der größten christlichen Gemeinschaften in Syrien. Insgesamt sind rund zehn Prozent der gut 20 Millionen Einwohner Christen. Seit Beginn der Kämpfe zwischen Aufständischen und dem Regime von Präsident Assad gerieten sie wiederholt zwischen die Fronten. Vertreter der örtlichen Kirchen haben immer wieder zum Frieden aufgerufen und den Westen zugleich davor gewarnt, dem Assad-Regime allein die Schuld an der Eskalation der Gewalt zu geben.

Arbach berichtete weiter, dass vor allem junge Christen Syrien verlassen wollten, um nicht zum Militär eingezogen zu werden. Er rate ihnen dringend davon ab: „Das hier ist unser Land, unsere Heimat, unser Christentum.“ Der Bischof teilte auch mit, dass die durch Kriegseinwirkungen beschädigte Kathedrale in Homs restauriert werde. Dort sei wieder eine Erstkommunion gefeiert worden, inmitten der noch sichtbaren Zerstörungen. Von den vielen Bomben, die auf Kirchengebäude gefallen seien, stecke noch eine im Dach der Kathedrale, „die wir täglich wässern“.

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