US-Wahlkampf befeuert Hetze und Hass

Der aufgeladene Wahlkampf treibt die Amerikaner weiter auseinander. Vor allem Donald Trump und Bernie Sanders heizen die Stimmung im Land an.

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Disput zwischen einem Trump-Anhänger (links) und einem Gegner: Die Kontrahenten trennt mehr als nur die Meinung über den Kandidaten.  Foto: 

Für die einen ist das Glas halb leer, für die anderen halb voll. Wer auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump hört, würde glauben, dass die Vereinigten Staaten eine tief gespaltene Nation sind. Eine gesetzloser Staat, in dem Polizisten ohne unnötigen Gewalteinsatz außerstande sind, für Recht und Ordnung zu sorgen. Ein Staat, in dem die Kluft zwischen Weißen und Schwarzen, Republikanern und Demokraten, dem Islam und fast allen anderen Religionsgruppen ebenso wie zwischen Reich und Arm immer tiefer wird. Die Nation ein Chaos, an deren Spitze unfähige Politiker sitzen, die außerstande sind, die Differenzen zu überwinden. Ganz anders sehen es die Demokraten Hillary Clinton und Barack Obama: Die Schwarzmalerei sei eine unnötige Dramatisierung, im Grunde vertragen sich alle prächtig.

So übertrieben Trumps Schreckensszenarien auch sind, sie kommen der Realität wohl näher als die Einschätzung Clintons und Obamas. Hassverbrechen dokumentieren, wie ausgegliedert amerikanische Muslime sein können, und gewalttätige Polizeieinsätze gegen Afro-Amerikaner illustrieren, wie tief das gegenseitig Misstrauen sitzt. Unbestreitbar ist auch das wachsende Wohlstandsgefälle, das durchaus Potenzial für soziale Unruhen birgt.

Die Ursachen sind mannigfaltig. Soziale Gegensätze sind das Ergebnis einer Steuerpolitik, die seit Jahrzehnten Wohlhabende begünstigt, sowie eines unerschwinglichen Ausbildungssystems, das auf die Reichen und Mächtigen zugeschnitten ist und gleichzeitig die Aufstiegs- chancen ganzer Bevölkerungsschichten abwürgt.

Die undifferenzierte Dämonisierung des Islam wurzelt in Terrorängsten einer unzureichend informierten Bevölkerung. Zunehmende Waffengewalt hängt insbesondere mit viel zu laschen gesetzlichen Kontrollen zusammen. Dass weiße Polizisten insbesondere beim Umgang mit Afro-Amerikanern zu schnell zur Schusswaffe greifen, liegt auch daran, dass trotz der deutlichen Fortschritte im Umgang von Schwarzen und Weißen weiter Stereotypen Bestand haben und häufig das Verhältnis zueinander prägen.

Dass sich die gesellschaftliche Spaltung im vergangenen Jahr beschleunigt und vertieft hat, kann auf zwei Personen reduziert werden: Trump und den „demokratischen Sozialisten“ Bernie Sanders. Während Sanders Fokus dem Einkommens- und Wohlstandsgefälle galt, schürte der republikanische Demagoge die Ängste seiner Landsleute vor Muslimen und illegalen Einwanderern. Gemeinsam haben die beiden Kandidaten, dass sie etablierte Politiker als Marionetten eines politischen Systems skizzierten, in dem Industrielobbyisten die Spielregeln bestimmen und die Bedürfnisse des Durchschnittsamerikaners nur die zweite Geige spielen.

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