US-Wahl: Trump erschüttert die deutschen Parteien

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Guido Bohsem Foto: swp  Foto: 

Für die Karnevalisten ist er ein gefundenes Fressen. Donald Trump dürfte bei den Umzügen in Köln, Düsseldorf und Mainz zum beliebten Motiv werden. Kein Wunder, schließlich sieht der künftige US-Präsident aus als trage er statt Haaren ein totes Eichhörnchen auf dem Kopf. Man darf, man sollte und man muss sich auch weiter über Trump lustig machen. Doch das Lachen bleibt einem im Hals stecken, denn bereits vor seinem Amtsantritt erschüttert der Polit-Dilettant die Welt der etablierten Demokraten und zwar ganz besonders in Europa und in Deutschland.

Es ist weniger die Angst davor, dass Trump demnächst das amerikanische Atomwaffen­-Arsenal in Rufweite zur Verfügung hat. Die Politiker fragen sich vielmehr, ob ein Trump auch in ihren Ländern möglich sein könnte. In Frankreich schmeckt diese Gefahr schon ganz real. Mit Marine Le Pen hat der rechte Front National bei den anstehenden Wahlen erstmals die Chance auf das Präsidentenamt. In Deutschland sonnt sich die AfD in Trumps Erfolg. Schließlich könnte der Sieg des US­-Populisten seinen hiesigen Avataren Auftrieb verleihen. Immerhin hat die Partei vor Augen, wie man es an die Regierung schafft, auch wenn man Rassismus mit Nationalismus paart und das Ganze mit einer großen Lust an der Zerstörung demokratischer Werte versieht. Dass der Immobilienmogul jetzt Kreide frisst, macht die Sache sogar schlimmer. Denn ein gezähmter Trump läßt ja auch seine Wiedergänger von AfD nur halb so schlimm erscheinen.

Von Trump profitieren sogar solche, die das vielleicht gar nicht wollen, wie zum Beispiel Sigmar Gabriel. Der vielleicht baldige oder aber doch nicht Kanzlerkandidat der SPD wird durch Trump eine Sorge los, die er ansonsten durch das Wahljahr hätte tragen müssen. Dank Trump muss Gabriel nun nicht mehr fürchten, dass ihm seine Parteigenossen das Leben mit Dauerkritik am transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) madig machen. Schon jetzt ruhen die TTIP-Verhandlungen, und wenn auch nur ein Wort seiner Wahlkampfreden der Wahrheit entspricht, wird der neue Präsident sie nicht mehr aufgreifen.

Auch für die ganz Linken ist Trump ein Segen, wegen TTIP aber nicht nur. Er macht ihre Positionen geläufiger: Wenn nun schon der amerikanische Präsident gegen die Nato ist, kann man den Linken das doch nun wirklich nicht mehr vorwerfen. Mehrfach hatte der nächste US-­Präsident zudem angekündigt, für gute Beziehungen mit Präsident Wladimir Putin zu sorgen – da könnte ihm die Linkspartei doch glatt einen Mitgliedsantrag ins Weiße Haus schicken.

Die interessanteste Folge aber wird Trumps Wahl wohl in der CDU auslösen. Die Partei dürfte ihre Kanzlerkandidatin durch ihn gefunden haben. Jedenfalls ist es nur schwer denkbar, dass Angela Merkel darauf verzichten wird, sich erneut als Spitzenkandidatin nominieren zu lassen. Ansonsten käme die CDU-Vorsitzende in den Ruch einer Fahnenflüchtigen, die ihre Parteifreunde mit Trump und seinen Fernwirkungen für Deutschland alleingelassen hätte.

leitartikel@swp.de

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Kommentare

12.11.2016 06:54 Uhr

Jetzt ist guter Rat nicht nur teuer.

Wer jetzt auf den bevorstehenden Verlust des "großen Papa´s" aus Übersee mit panischen Reaktionen antwortet, zeigt unter anderem auch, wie dünn das Eis bei der eigenen Autorität tatsächlich ist und muss sich nicht wundern, wenn eine gerne obrigkeitsgläubige Bevölkerung ihren Glauben abwirft und zunächst zu aus der Pubertät bekannten Trotzreaktionen schreitet. Das ist bestenfalls extrem lästig und ungünstig für das Strahlen egozentrischer Einbildungen. Wirklich gefährlich für die führenden "Autoritäten" wird es erst, wenn sich die Bevölkerungsmehrheit auf ein verantwortliches "Selber" besinnt und eigene demokratische Strukturen aufbaut, wo bisher nur beeindruckende Hohlkörper den Platz versperren. Auch wenn die offensichtlichen Anzeichen dafür noch ausgesprochen mager sind, lässt sich eine solche Entwicklung nicht zuverlässig ausschließen - da ist das Vertrauen auf die Meinungskontrolle etwas zu optimistisch geraten.

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