Leitartikel: Es wird ungemütlich

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Die Welt steht an einem historischen Wendepunkt. In der kommenden Nacht bestimmen die Amerikaner ihren neuen Präsidenten. Sie ernennen die mächtigste Person der Welt, und müssen sich zwischen Donald Trump und Hillary Clinton entscheiden. Der Endpunkt eines wahrhaft bizarren Wahlkampfs ist erreicht, und dieser Wahlkampf lässt nichts Gutes für Amerikas Partner vermuten.

Schon immer bot die amerikanische Politik weitaus mehr Spektakel als die hierzulande. Doch dieses Mal folgte die älteste Demokratie der Welt einer bislang auch dort unbekannten Krawall-Logik. Der Reality-TV-Star Trump drückte der Wahl seinen „Dschungelcamp“-Stempel auf. Dachte man, das Niveau sei auf dem absoluten Tiefpunkt angekommen, senkte er es weiter ab.

Keiner sollte den Fehler machen und diese Wahl als Ausnahme deuten. Trump hat einen Ton angeschlagen, der lange nachhallen wird. Seit dem zweiten Weltkrieg sind die USA für Westeuropa nicht nur demokratisches Vorbild und Schutznation gewesen. Sie waren auch immer Trendsetter. In Amerika konnte man im Jetzt beobachten, wie die Dinge sich auch hier entwickeln werden. Derzeit ist ein Horror-Clown wie Donald Trump als Kanzlerkandidat in Deutschland undenkbar. Doch angesichts der dramatischen Erosion der Volksparteien kann keiner sicher sein, ob das auch noch in acht oder 16 Jahren gilt.

Ohnehin muss sich die Welt darauf einstellen, dass die Dinge nach dem 8. November nicht mehr dieselben sein werden. Ob Clinton oder Trump, die amerikanische Außenpolitik wird sich verändern. Die letzte verbleibende Supermacht wird sich weiter nach innen wenden und internationalen Geschehnissen ein gelangweiltes Desinteresse entgegenbringen, das man in den vergangenen Jahrzehnten so nicht kannte. Es gibt kein Mandat für eine kraftvolle Außenpolitik. Zu groß ist der Widerstand zuhause.

Isolationismus hat in den USA eine lange Tradition. Eine solche auf sich selbst gerichtete Politik lässt sich auf den ersten US-Präsidenten George Washington zurückverfolgen. Doch seit Amerikas Auftritt auf der Weltbühne zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hatte die USA dieser Haltung abgeschworen. Jetzt droht Isolationismus wieder zu einer bedeutenden Strömung der Außenpolitik zu werden.

Erste Anzeichen einer solchen Ausrichtung waren bereits unter Barack Obama zu erkennen, der die militärischen Abenteuer seines Vorgängers zu beenden versuchte, wo es nur ging und ein neuerliches Engagement amerikanischer Truppen möglichst verhinderte  – selbst als etwa Syriens Baschar al-Assad die von Obama genannte rote Linie überschritt und chemische Kampfstoffe einsetzte. Ob Clinton oder Trump, dieser Trend wird sich fortsetzen. Weniger deutlich unter ihr, radikal unter ihm.

Auch Deutschland wird sich nicht mehr auf die einstige Schutzmacht USA verlassen können.  Das bequeme  Dabeisein im Schatten des großen amerikanischen Bruders wird nicht mehr funktionieren.  Es wird ungemütlich.

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