Universitäten bestehen Mini-Testlauf

Der 2012 gestartete Pilotbetrieb des neuen Vergabesystems für Studienplätze verlief bisher positiv. Im Wintersemester werden deshalb mehr Hochschulen mitmachen. Aber es bleiben nach wie vor wenige.

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Leere Studienplätze? Die gibt es, weil sich viele Kandidaten mehrfach bewerben. Ein neues System soll Abhilfe schaffen, doch kaum eine Uni nutzt es. Foto: dpa

Deutschlandkarten können deprimierend sein. Das weiß Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), wenn sie sich einen Überblick verschafft, wie viele Hochschulen in welchen Bundesländern sich am Pilotbetrieb des "dialogorientierten Serviceverfahrens" (DOSV) - dem neuen Vergabesystem für Studienplätze - beteiligen: Viele weiße Flecken prägen die Karte. Gerade 17 Hochschulen aus acht Bundesländern haben zum Wintersemester 2012/13 erstmals mit dem Vergabesystem für Plätze in örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen gearbeitet. Es wurden bei 22 000 Bewerbungen 2200 Plätze in 22 Studiengängen verteilt. Zum Vergleich: Es gibt mehr als 3400 örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge.

In Baden-Württemberg haben sich die Universitäten Freiburg, Heidelberg und Mannheim am Pilotbetrieb beteiligt. Die Universität Tübingen hatte sich 2012 ganz bewusst gegen eine Teilnahme entschieden. "Bisher war nicht gewährleistet, dass das System bedenkenlos einsetzbar wäre", sagt eine Sprecherin.

Eigentlich sollte ein neues Zulassungsverfahren schon zum Wintersemester 2009/10 in Betrieb gehen. Schavans Ministerium stellte 15 Millionen Euro für die Entwicklung der Software bereit. Dennoch musste der Starttermin auf Grund technischer Probleme immer wieder verschoben werden. Wegen dieser Verzögerungen blieben in den vergangenen Jahren zehntausende Studienplätze unbesetzt und es kam zu langwierigen Nachrückverfahren. Bis heute schicken die meisten Bewerber ihre Unterlagen an zig Hochschulen. Erhält ein Bewerber dann Zusagen, kann es passieren, dass an den Hochschulen A und B Plätze als vergeben gelten, obwohl der Bewerber an Uni C studieren wird.

Mit dem DOSV sollen diese Mehrfachbewerbungen über eine zentrale Online-Plattform koordiniert und unnötige Blockaden von Studienplätzen durch Mehrfachzulassungen verhindert werden. Die flächendeckende Einführung funktionierte aber nicht, weil das Programm des zentralen Portals nicht mit der Software harmonierte, die die Hochschulen nutzten. Jetzt scheinen diese Probleme überwunden: "Die technische Anbindung der Hochschulen an die zentrale Plattform funktioniert in allen Varianten", das habe der Pilotbetrieb mit den 17 Hochschulen bewiesen, sagt ein Sprecher der Stiftung für Hochschulzulassung (SFH), die für die Ein- und Durchführung des DOSV verantwortlich ist und in der Länder und Hochschulen das Sagen haben. Auch in Bezug auf die Mehrfachzulassungen hat sich das neue Verfahren im Wintersemester 2012/13 bewährt. "Im Fach Psychologie", heißt es in einer Drucksache des Bildungsausschusses des Bundestages, habe bei rund 18 Prozent der zugelassenen Bewerberinnen und Bewerber eine Mehrfachzulassung verhindert werden können.

Die Universität Mannheim hat sich am Pilotbetrieb mit dem Studiengang Bachelor Psychologie beteiligt. "Unsere Erfahrungen sind positiv, daher werden wir im kommenden Semester voraussichtlich wieder mit dem Bachelorstudiengang Psychologie teilnehmen", sagt eine Uni-Sprecherin. "Wünschenswert wäre in jedem Fall, dass das System flächendeckend so schnell wie möglich eingesetzt wird, realistisch ist aber eher, dass es erst in zwei bis drei Jahren soweit ist."

Viel schneller wird das System aber wohl tatsächlich nicht flächendeckend installiert sein. "Vier weitere Universitäten planen eine Teilnahme zum Wintersemester 2013/14", sagt ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums in Stuttgart. Der SFH-Sprecher schätzt, dass dann bundesweit 40 bis 60 Hochschulen mitmachen werden.

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