Tui-Flieger weltweit am klimafreundlichsten

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Zwei Fluggesellschaften des Tui-Reisekonzerns und die chinesische China West Air sind die saubersten Airlines weltweit. Foto: Julian Stratenschulte  Foto: 

Der Weltluftverkehr droht laut einer aktuellen Studie seine selbst gesetzten Klimaziele zu verfehlen. Wie die Umweltorganisation Atmosfair beim Weltklimagipfel in Bonn betonte, geht die Flottenerneuerung durch sparsame, moderne Jets bei wachsendem Verkehr nur schleppend voran.

Weltweit stiegen die CO2-Emissionen der Airlines um gut 4 Prozent, die Flugkilometer um knapp 7 Prozent. Bei der Vorstellung des atmosfair-Klimaindex 2017 warnte Geschäftsführer Dietrich Brockhagen: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Luftverkehr weltweit nicht auf Zielkurs ist.“

International gehöre nur eine von 100 Maschinen zur Klasse der hocheffizienten Flugzeuge. Selbst die besten Airline-Flotten verbrauchten im Mittel im Vergleich zu ihnen 20 Prozent mehr CO2 pro geflogenem Kilometer. Von den 50 klimaeffizientesten Airlines der Welt kommen laut Studie 16 aus Europa und 10 aus China.

Dieser Trend zeigt sich auch an der Spitze: Zwei Fluggesellschaften des Tui-Reisekonzerns aus Hannover und die chinesische China West Air sind demnach die saubersten Airlines weltweit.

Die Chinesen, die im Vorjahr noch die Liste angeführt hatten, wurden an der Spitze nun von der britischen Tui Airways (früher: Thomson Airways) verdrängt. China West Air liegt jetzt auf Platz zwei - vor der Tuifly aus Hannover auf Platz drei. Tuifly belegt seit dem Index-Start stets einen der vordersten Ränge.

Damit gilt Tui Airways als beste Charter-Gesellschaft weltweit: sie hat in der Gesamtwertung die geringsten CO2-Emissionen pro Passagier und Kilometer. Mit der Condor auf dem neunten Platz schaffte es ein weiterer deutscher Ferienflieger in der Gesamtwertung in die Top 10.

Zu den Kriterien für die Index-Beurteilung der Klimafreundlichkeit der gut 200 weltgrößten Fluggesellschaften zählt unter anderem die Zahl der bei einem Flug transportierten Passagiere. Der Grund: Flugzeuge mit enger Bestuhlung belasten in der Bilanz die Umwelt deutlich weniger mit dem Klimakiller CO2 als Flieger mit viel Beinfreiheit. Zudem zahlte sich der Einsatz moderner Maschinen mit weniger Emissionen aus. Flugzeuge wie die Boeing 787-9 und der Airbus A350-900 erzielen laut der Studie auch auf der Langstrecke Werte von weniger als 3,5 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer.

Anders als Charterfluggesellschaften wie die Tuifly, die in der Regel voll ausgebucht unterwegs sind, kommen viele der internationalen, großen Liniengesellschaften auf deutlich schlechtere Bewertungen. Bei den Linienflügen ist dank moderner Flotte und hoher Auslastung die chilenisch-brasilianische Latam (Platz 11) führend.

Ein Kuriosum am Rande: Die mittlerweile nicht mehr existierende Air Berlin landete direkt dahinter auf Rang 12, vor KLM aus den Niederlanden (13). Die Insolvenz der Berliner erfolgte während der Veröffentlichung des Index, daher wurde sie noch aufgeführt.

Die Lufthansa steigerte sich im Vergleich zur Konkurrenz dank einer erneut verbesserten Auslastung und Flotte auf Platz 65 und liegt damit kurz vor Air France (68). „Auf der Kurz- und Mittelstrecke setzt Lufthansa immer weniger ineffizientere Flugzeugmodelle ein“, betonte atmosfair. Ihr Index bildet mit rund 33 Millionen Flügen etwa 92 Prozent des Weltluftverkehrs ab. Billigflieger werden in einer eigenen Klasse erfasst, da sie oft von Subventionen gestützt künstlich niedrige Ticketpreise in Flugkilometer und damit CO2-Emissionen umwandeln, die sonst nicht entstanden wären.

Ein weiterer Trend: Insgesamt überholen chinesische Airlines im Index dank modernerer Flotten zunehmend die US-Airlines. Die großen Gesellschaften Delta Air Lines und United Airlines liegen punktgleich mit Uzbekistan Airlines auf Rang 41 - nur die amerikanische Alaska Airlines liegt mit Platz 14 im vorderen Bereich der Top 50.

Die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens von 2015 erfordert für das 1,5 Grad Ziel, dass CO2-Emissionen weltweit noch vor 2020 ihren Höchststand erreichen und dann um diesen Wert zu sinken beginnen. Das neue Klimaabkommen der Internationalen ZivilLuftfahrtorganisation ICAO von 2016 greift demnach erst ab 2021 für Fluggesellschaften.

Ende 2016 hatten sich Vertreter fast aller UN-Staaten in Kanada bei der ICAO-Versammlung auf einen Mechanismus geeinigt, nach dem künftig Airlines Lizenzen zum Ausstoß des Treibhausgases CO2 kaufen müssen.

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