Türkei schließt die Tür zu Syrien

Die Türkei dämmt den Zustrom von Flüchtlingen aus Syrien deutlich ein. Tausenden wird der Einlass verwehrt, da neue Lager nicht fertig seien.

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Schotten dicht an der türkisch-syrischen Grenze: Wegen der immer größer werdenden Zahl von Menschen, die sich vor der Gewalt in ihrer Heimat in die benachbarte Türkei retten wollen, ändert die Regierung in Ankara die Politik der offenen Tür. Tausende Syrer harren an der Grenze aus, wo sie von türkischen Organisationen mit Lebensmitteln versorgt werden. Der Druck zur Einrichtung einer Schutzzone für Flüchtlinge innerhalb Syriens nimmt damit zu.

"Es sind derzeit etwa 7000 Menschen. Sie warten auf der syrischen Seite, und die Türken lassen sie nicht rüber", sagt ein syrischer Aktivist. Auch ein illegaler Übergang, an dem die Türkei Grenzgänger und Schmuggler geduldet hatte, wurde gestern von Soldaten abgeriegelt. Viele Flüchtlinge seien verzweifelt, berichtet der Aktivist. "Sie haben nicht genug zu essen und müssen versorgt werden."

Rasch hatte sich die Zahl der Flüchtlinge in der Türkei in den vergangenen Tagen jener Marke von 100 000 genähert, welche die Türkei als Obergrenze bezeichnet. Mehr als 80 000 Syrer sind bereits offiziell im Land. Sie sind in acht Zeltlagern, einer Containersiedlung sowie in Schulen untergebracht. Die Türkei sicherte dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zu, dass am Bau von sieben zusätzlichen Lagern gearbeitet werde. Vier davon seien aber erst Ende September fertig. Insgesamt werde es dann in der Türkei Platz für 130 000 Flüchtlinge geben, so das UNHCR. Die Türkei ist vor Jordanien und dem Libanon zum Hauptziel der Syrer geworden.

In den vergangenen Wochen ist es in den Lagern in der Türkei mehrfach zu Spannungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen gekommen. Die in der Türkei oppositionelle Republikanische Volkspartei CHP schickte zudem eine Delegation zum türkischen Lager Apaydin, wo syrische Militärs untergebracht sind, die zur Freien Syrischen Armee übergelaufenen sind. Den Politikern wurde der Einlass verwehrt, was in Ankara zu heftigem Streit führte. Die Opposition verlangt Aufklärung darüber, was in dem Camp vor sich geht.

Inzwischen gibt der Krisenstab der türkischen Regierung unmittelbar an der Grenze Hilfsgüter für Menschen in Syrien aus - in Übereinstimmung mit internationalem Recht, wie betont wird. Jeder Anschein einer Intervention soll offensichtlich vermieden werden.

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