Türkei offenbart fehlendes Demokratieverständnis

Präsident Erdogan versucht die Landesregierung unter Druck zu setzen. Von offenen Gesellschaften wissen die Stuttgarter Diplomaten wenig. Das ist ein Grund zur Besorgnis, meint Elisabeth Zoll.

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Die Verblendung ist gewaltig: Das türkische Generalkonsulat in Stuttgart fordert die Landesregierung auf, die Bewertung der Gülen-Bewegung zu korrigieren.  Haben die Stellvertreter Erdogans so gar nichts verstanden von der Demokratie? Glauben sie wirklich, die Landesregierung tanze nach der Pfeife des türkischen Präsidenten, der sein Land gleichzuschalten versucht? Ministerpräsident Kretschmann weist das Ansinnen zurück.  Doch Vorbehalte bleiben – gegenüber den Vertretern der Türkei. Wissen sie nicht, was eine liberale Gesellschaft ist?

Die Gülen-Bewegung ist  nicht jedermanns Sache. Konservativ ist das Familienbild. Jungen und Mädchen werden in Schulen und Internaten streng getrennt, traditionelle Geschlechterrollen nicht in Frage gestellt. Man ist gottesfürchtig und gebildet, stark  in Netzwerken engagiert. Doch sind die Gülen-Anhänger damit auch Umstürzler, wie Erdogan meint? Die Zuweisung kam schnell, es fehlen die Beweise.  Dafür wird der Umsturzversuch zum Vorwand genommen, gegen jeden, der nicht auf AKP-Linie ist, vorzugehen und eine islamisch-konservative Bewegung auszuschalten.  

Mit dem Geist und nicht mit Waffen  versucht Fethullah Gülen den Islam zu stärken.  Der Verfassungsschutz beanstandet das nicht. Und die Bildung junger Migranten auf Gymnasien ist richtig, solange der Lehrplan stimmt. Man wünschte sich, der diplomatische Stab hätte von dieser Gedankenwelt mehr abbekommen. 

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