Trumps Triumph: Albtraum statt Traum

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Autorenfoto Könneke Volkmar  Foto: 

Es ist einfach und wohlfeil, in diesen Stunden mit Entrüstung auf Donald Trump zu zeigen, ihm noch einmal all seine unglaublichen Verfehlungen und Beleidigungen vorzuhalten, um dann verwundert zu fragen: Wie konnte das passieren?

Die Frage ist die richtige – die Antwort ist aber vielschichtiger als der Verweis auf einen großspurigen Sprücheklopfer, der mit einfachen Parolen enttäuschte, meist weiße Amerikaner dazu verführte, ihn zu wählen. Donald Trumps Triumph legt in schonungsloser Weise unsere eigenen Defizite bloß. Er verändert und spaltet nicht nur die amerikanische Nation, er ist zugleich Fanal für das kriselnde Europa  – und damit auch für Deutschland.

Die Demokratien in weiten Teilen der Welt befinden sich in einer beispiellosen Vertrauens- und Legitimationskrise. Aufgeblähte Bürokratie- und Lobbyapparate wie in Washington oder Brüssel entfernen sich immer weiter von der Realität der Menschen, über deren Leben sie entscheiden. Statt Teilhabe am politischen Prozess bleibt gerade den sozial Benachteiligten oft nur Resignation. Das Vertrauen, demokratisch geführte Staaten könnten das eigene Leben verbessern oder Lösungen für drängende Probleme finden, ist in diesen Teilen der Bevölkerung zum allergrößten Teil verschwunden. Stattdessen bricht sich die Wut auf das Establishment Bahn.

Genau in diese Lücke ist Donald Trump in geradezu diabolischer Weise gestoßen. Mit seinen Tabubrüchen und einfachen Erfolgsversprechen hat er den Verstummten eine Stimme gegeben. Und jeder hämische Kommentar, jede beleidigende Äußerung durch den politischen Gegner und die Medien machte Trump stärker. Mehr noch: Als von den Eliten Geächteter wurde er, der Milliardär, in den Augen seiner Fans selbst zum Benachteiligten, zum Verlierer, zum Außenseiter.

Jetzt wird Trump US-Präsident – vor wenigen Wochen noch unvorstellbar. Sein banales Erfolgsrezept könnte Vorbild werden für die Rechtspopulisten Europas. Der amerikanische Traum: Für viele ist er nur noch ein Albtraum.

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Kommentare

10.11.2016 09:00 Uhr

..jetzt wirds wieder mal eng...

für die allgemeine Presse. Trump ist nur ein Alptraum für die selbsternannten Eliten, nicht für den normalen "Pöbel", zu dem ich mich nun auch zählen muß. Aber ich gehöre nach dem gestrigen Tag gerne dazu, da ich gesehen hab, daß es immer mehr von uns gibt.

Die Presse hat jetzt ein riesiges Problem, sie hat jetzt zwei Personen, auf die eingedroschen werden muß, im Osten Putin und im Westen Trump...,dann bleiben nur wir Deutschen als die Guten übrig, als Moralapostel dieser Welt. Ich lach mich tot...

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