Leitartikel zur Klimaschutzpolitik Trumps: Die bitterste Ironie

Im Katastrophengebiet Houston ließ sich der US-Präsident Donald Trump zwar sehen, doch von einem Zusammenhang zwischen dem Treibhauseffekt und den sich häufenden Wetterkatastrophen will er weiterhin nichts wissen.

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In der vergangenen Woche hat Tropensturm Harvey den Menschen weltweit die bitterste Ironie der Präsidentschaft von Donald Trump vor Augen geführt: Im Weißen Haus sitzt ausgerechnet in Zeiten wie diesen ein Mann, der den Klimawandel für eine Fiktion hält. Führende Meteorologen sind sich weitgehend einig, dass die globale Erwärmung Harvey zwar nicht ausgelöst, seine Wirkung aber deutlich verstärkt hat. Tropische Wirbelstürme entstehen zu dieser Jahreszeit über den warmen Gewässern des Golfs von Mexiko immer wieder. Höhere Temperaturen und steigende Meeresspiegel trugen aber zu jenen immensen Mengen Wasser bei, die der Sturm entlud und die Menschenleben forderten sowie Schäden in Milliardenhöhe anrichteten.

Von einem Zusammenhang zwischen dem Treibhauseffekt und den sich häufenden Wetterkatastrophen will Trump aber nichts wissen. Obendrein hat er die Spitze der Bundesumweltbehörde mit einem Rechtsanwalt namens Scott Pruitt besetzt, der ein ausgewiesener Leugner des Klimawandels ist. Pruitts Karriere fußt darauf, dass er die Behörde, die er nun leitet, mit Klagen überzogen hat. Nun zweifelt er die „Genauigkeit“ einer Regierungsstudie zu den Gefahren der globalen Erwärmung an, die von 14 der angesehensten Klimaforscher Amerikas verfasst wurde. Am liebsten würde er diese ganz unter den Teppich kehren.

Das alles lässt nur eine Schlussfolgerung zu: So lange der amerikanische Präsident Donald Trump heißt, ist fest damit zu rechnen, dass unbestreitbare Fortschritte, die unter seinem Vorgänger Barack Obama beim Klimaschutz erzielt wurden, zunichte gemacht werden. Erkenntnisse einer globalen Wissenschaftlergemeinde, die auf Jahrzehnten Forschungsarbeit sowie realen, unbestreitbaren und folgenschweren Wetterphänomenen beruhen, werden mit Füßen getreten. Darüber hinaus möchte der Präsident per Dekret, wie teilweise schon geschehen, die Öl- und Gasindustrie sowie den Kohlebergbau ausbauen und versuchen, diese Zweige von sämtlichen  Regularien zu befreien.

Wundern sollte es keinen, denn mit dem spektakulären Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen hatte Trump schon vor drei Monaten ein  klares Signal gesetzt. Dass er mit diesem Alleingang sämtliche Unterzeichner des bahnbrechenden Vertrags vor den Kopf stieß und mit der rigorosen Förderung fossiler Energieträger die Uhren zurückdreht, das begreift er nicht. Diesem Präsidenten geht es allein darum, seine politische Basis zufriedenzustellen. Dazu zählen vorrangig Menschen aus den Staaten im Süden und mittleren Westen der USA. Diese versprechen sich von Trump eine Wiedergeburt antiquierter Industrien, die durch den globalen Trend zu erneuerbaren Energien vom Niedergang bedroht sind. Welche Folgen seine Industriepolitik aber für kommende Generationen haben könnte, – dazu gehören auch Trumps jüngster Sohn sowie seine zahlreichen Enkel –, davon nimmt der Präsident keine Notiz.

leitartikel@swp.de

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