Thailand vor historischer Zeitenwende

Thailand bereitet sich auf unruhige Zeiten vor. Der 87-jährige König ist schwer erkrankt. Doch Spekulationen für die Zukunft des Landes werden unterdrückt. Das Militär will unter allen Umständen Ruhe.

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König Bhumibol spricht mit Premierminister Prayut Chan-o-cha (links).  Foto: 

Thailand lebt von seinem Image als Paradies Südostasiens, aber hinter den Kulissen kracht es. Verfeindete Lager liefern sich seit fast zehn Jahren Straßenschlachten, im Mai hat wieder das Militär geputscht. Gerade wanderten Verwandte von Srirasmi, der Frau von Kronprinz Vajiralongkorn (62) hinter Gitter. Srirasmi verlor daraufhin "alle royalen Privilegien" - eine verklausulierte Form, das Ende der Ehe mitzuteilen. Was ist los in Thailand? König Bhumibol Adulyadej (87) liegt schwer krank im Hospital. Es zeichnet sich eine Thronfolge ab - eine Situation, die Thailand seit 68 Jahren nicht erlebt hat. So lange ist der Monarch schon auf dem Thron.

Die Nachricht von der Festnahme des Onkels von Srirasmi, der einen der wichtigsten Polizeiposten bekleidete, platzte im November wie eine Bombe. Geldwäsche, Ölschmuggel, illegale Kasinos und Majestätsbeleidigung - die Anklage ist lang. Eine beispiellose Erniedrigung in der jüngeren Geschichte des Königshauses. Über die Vorgänge zu diskutieren ist tabu, weil das Militär die Keule des Gesetzes gegen Majestätsbeleidigung schwingt. Es drohen 15 Jahre Haft.

Doch wie geht es weiter im Königreich? Spekulationen über diese Fragen unterbindet die Regierung. Medien werden zensiert und Kritiker verfolgt.

Pavin Chachavalpongpun, Professor am Südostasien-Institut der Kyoto Universität in Japan, nennt als Grund ein Machtgerangel: auf der einen Seite die traditionellen Eliten, einflussreiche Familien, zahlenmäßig in der Minderheit, vertreten durch die Gelbhemden. Auf der anderen Seite die Rothemden, überwiegend aus ärmeren Schichten und die Mehrheit im Land, die mit Hilfe des 2006 aus dem Amt geputschten Regierungschefs Thaksin Shinawatra ihre politische Macht entdeckten und nun selbst Einfluss wollen. "Es sieht so aus, als baue das Militär an einer Verfassungsstruktur, die die Macht der alten politischen Elite garantieren soll", schrieb der Thailänder.

"Die Intoleranz der Junta versperrt den Weg zu politischer Reform", meint Verfassungsspezialist Khemthong Tonsakulrungruang. "Demokratie kann man nicht unter einem Regime der Unterdrückung, Angst und Lügen aufbauen." Auf jeden Fall hat die vom Militär eingesetzte Regierung keine Eile mit der Rückkehr zur Demokratie. Gewählt werde frühestens 2016.

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