Techniker Krankenkasse setzt auf Roboter in der Pflege

Der demographische Wandel belastet Pflegeheime, es fehlt Personal. Die Techniker Krankenkasse fordert daher, vermehrt Roboter einzusetzen.

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Roboter "Emma" steht in Kiel (Schleswig-Holstein) in einer Demenz-Wohngruppe der Diakonie Altholstein.  Foto: 

Die Techniker Krankenkasse (TK) spricht sich dafür aus, im Kampf gegen den Pflegenotstand auf die Digitalisierung zu setzen. „Vernetzte Betreuungssysteme und Roboter können dazu beitragen, die Folgen der ansteigenden Pflegefälle zu bewältigen“, sagte der Chef des wissenschaftlichen Instituts der TK „Wineg“, Andreas Meusch, der SÜDWEST PRESSE.

„Es wird erwartet, dass die Zahl Demenzkranker bis 2025 auf 2 Millionen steigt“, so Meusch. 2008 seien es noch 1,2 Millionen gewesen. Gleichzeitig leidet die Altenpflege unter Personalmangel. Bereits heute wird die Lücke auf rund 30.000 unbesetzte Arbeitsstellen geschätzt. Bis 2025 könnte diese Zahl auf gut 200.000 steigen.

„Kritisch ist die regionale Verteilung, da gerade in den Regionen die Anzahl Demenzkranker besonders zunehmen wird, in denen es bereits jetzt wenig junge Erwerbstätige gibt“, ergänzt Meusch. In vielen Teilen Baden-Württembergs rechnet das Institut mit einer Zunahme von mehr als 50 Prozent. „Nur wenn wir die Digitalisierung nutzen, haben wir eine Chance, die demografische Herausforderung zu meistern“, sagt Meusch.

Um trotz einer immer älter werdenden Bevölkerung die Versorgung gewährleisten zu können, müsse man alle Rationalisierungsreserven ausschöpfen, um die dadurch freiwerdenden Mittel effektiver einsetzen zu können. „Je weniger Digitalisierung, desto höher das Risiko für eine Zwei-Klassen-Pflege“, so Meusch.

Digitalisierung und Vernetzung könnten bis zu 100 Millionen Routinekontakte mit Ärzten überflüssig machen, was etwa 20 Prozent aller Arztkontakte entspricht. „Apps sind bereits heute in der Lage, bei Diagnose und Therapie wirksam zu unterstützen. Hier brauchen wir ein nach Risikoklassen gestuftes Zulassungsverfahren. Sonst lassen wir echte Hilfe am Wegesrand liegen.“ Zudem könnten digitale Anwendungen die Pflege von Demenzkranken und älteren Menschen unterstützen und die Arbeit der Pflegenden erleichtern.

Kommentar zu Robotern in der Pflege: Kein Allheilmittel

Man kann es sich noch nicht so recht vorstellen, aber es wird kommen: Roboter werden Aufgaben in der Pflege alter Menschen übernehmen. Noch stoßen sie in Deutschland auf wenig Akzeptanz. Sobald der Leidensdruck des demografischen Wandels jedoch groß genug ist, wird sich dies ändern. Sehen kann man das bereits heute am Beispiel Japans, wo elektronische Helfer keine Seltenheit sind.

Sollten sich die Prognosen über einen in Zukunft noch dramatischer werdenden Fachkräftemangel bewahrheiten, kann die Digitalisierung helfen, dessen Folgen abzumildern. In der Industrie etwa werden digitale Assistenzsysteme die Produktion in der Fabrik vereinfachen, so dass auch weniger gut qualifizierte Arbeitnehmer Aufgaben übernehmen können, für die ehemals gut ausgebildete Fachkräfte benötigt wurden. Genauso in der Pflege: Roboter können bereits heute schmutzige Wäsche in den Keller bringen, Nachtpatrouille in Altenheim-Gängen fahren und den Bewohnern Getränke reichen. Sie merken sich sogar, wer wie viel getrunken hat und führen Protokoll darüber. Alles in allem können sie die Pflegekräfte unterstützen und entlasten.

Eines können Sie aber nicht: Den Menschen ersetzen. Die Probleme der Pflegebranche können deswegen nur gelöst werden, wenn mehr Geld in sie hinein fließt – nicht zuletzt in die Taschen der Pflegekräfte. Der Beruf muss attraktiver werden. Wer seinen Angehörigen und letztendlich sich selbst ein würdiges Leben im Alter wünscht, wird dem nicht widersprechen. Oder möchten Sie, dass Ihre Großmutter, statt sich mit einem Betreuer aus Fleisch und Blut zu unterhalten, tagein, tagaus mit einem Roboter spielt?

Ein Kommentar von Igor Steinle.

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