Tag der Patientensicherheit: Wenn Schweigen gefährlich ist

Schlechte Kommunikation kann großen Schaden anrichten. Der Tag der Patientensicherheit steht deshalb unter dem Motto: Wenn Schweigen gefährlich ist.

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In der Medizin können auch kleine Fehler schlimme Folgen haben: So vertauschen Pfleger in der Notaufnahme eines Krankenhauses Klebeetiketten mit Patientendaten – bei der Operation fehlen deshalb Röntgenbefunde und die Blutgruppenangabe. Oder: Zwei Patienten, die denselben Vornamen tragen, liegen auf einer Station. Bei der Medikamentenausgabe wird einer genötigt, die für beide vorgesehene Arznei zu schlucken.

Beispiele, die zwar vergleichsweise glimpflich ausgingen, die aber Dr. Ruth Hecker, Fachärztin für Anästhesie und Vize-Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), nennt, um zu illustrieren, was bei der Behandlung im Argen liegt: die Kommunikation. Vorfälle wie diese gingen natürlich zuerst auf das Konto des Personals. „Aber man muss als Patient oder Angehöriger auch den Mut entwickeln, nachzufragen.“

Es braucht gute Verständigung

Und so steht denn auch der Tag der Patientensicherheit an diesem Sonntag unter dem Motto: „Wenn Schweigen gefährlich ist“. Für Ingrid Fischbach, die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, bedarf es ungeachtet aller technischen Neuerungen vor allem einer guten Verständigung.

Das gelte für das Gespräch zwischen Patienten und Ärzten, aber genauso für die Kommunikation der Ärzte, des Pflegepersonals und der Gesundheitsfachberufe untereinander. Fischbach betont gegenüber dieser Zeitung: „Dass Ärzte als die Profis im Behandlungsgeschehen ihren Teil beitragen müssen, ist klar. Aber wir sehen auch, dass Patientinnen und Patienten oft zu wenig darüber wissen, was und wie sie zu ihrer Gesundheit beitragen oder Qualität erkennen können.“

„Qualität sichtbar machen“

Ihre Kompetenzen wolle man in Zukunft stärken und Qualität besser sichtbar machen. Fischbach sagt, es sei wichtig, „dass wir schon in der Ausbildung die Fähigkeiten künftiger Ärzte stärken, ihren Patienten auf Augenhöhe zu begegnen und mit ihnen zu sprechen“ – zum Beispiel durch einen Musterlehrplan „Kommunikation in der Medizin“.

Prof. Annegret Hannawa von der Universität Lugano (Schweiz), die zu Gesundheits-Kommunikation forscht, hat nach Auswertung von Studien aus aller Welt errechnet: „Alle zwei bis sechs Sekunden erfährt ein Patient aufgrund unsicherer Kommunikation vermeidbaren Schaden.“ Gründe seien Zeitdruck, Hierarchien, Fachsprache, viele Beteiligte. Die AOK Baden-Württemberg hat sich 2016 um rund 1500 Fälle vermuteter Behandlungsfehler gekümmert, ein Plus von sieben Prozent. Mehr als jeder fünfte Verdachtsfall habe sich bestätigt.

Patienten fühlten sich, sagt APS-Chefin Hedwig François­Kettner, häufig „ausgeliefert, hilflos, ängstlich oder wütend“. Weshalb man gerade einen Patientenratgeber „Reden ist der beste Weg“ herausgebracht hat – die Nachfrage ist hoch. 

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