Syriens langes Leiden 

Der IS ist niedergerungen, die Opposition am Ende ihrer Kräfte. Nach sechs Jahren der Gewalt scheint Assad kurz vor dem Ziel.

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SWP Grafik  Foto: 

Assads Regime triumphiert. „Unser Sieg ist in Reichweite“, brüstete sich Syriens Außenminister Walid al-Muallem. „Wenn dieser ungerechte Krieg zu Ende ist, werden die Soldaten der syrischen Armee als Helden im Kampf gegen die Terroristen in Erinnerung bleiben.“ Gleichzeitig schockierte UN-Vermittler Staffan di Mistura die syrische Opposition mit der Frage, ob sie fähig genug sei, sich zu einigen, und ob sie realistisch genug sei, zu begreifen, dass sie diesen Krieg nicht gewonnen habe. Nach Einschätzung des Diplomaten ist der Bürgerkrieg im wesentlichen ausgefochten, ein nationaler Waffenstillstand könne bald folgen. Und der Krieg um das verbliebene Rebellengebiet um Idlib, erklärte er, „lässt sich einfrieren“. Seit Russland vor zwei Jahren zum ersten Mal mit Kampfflugzeugen in das Geschehen eingriff, hat sich das Blatt dramatisch gewendet. Der Kreml bombt den syrischen Diktator systematisch zum Sieg. Assads zweiter Verbündeter Iran ist mit Revolutionären Garden und Abertausenden schiitischen Milizionären aus dem Irak an der Front, unterstützt von Elitekommandos der libanesischen Hisbollah. Immer mehr Rebelleneinheiten geben demoralisiert auf.

Vor allem das Ende ihrer Enklave in Aleppo an Weihnachten 2016 brach der Opposition das Rückgrat. Mit Idlib kontrollieren die Assad-Gegner noch eine einzige Provinz, in der jedoch die Extremisten von Al Kaida den Ton angeben. In den meisten anderen Teilen Syriens herrscht mittlerweile eine fragile Waffenruhe. Und der „Islamische Staat“ auf syrischem Boden büßte in den letzten Wochen nach der Hochburg Rakka praktisch sein gesamtes Territorium ein – niedergerungen durch eine bürgerkriegsübergreifende, internationale Streitmacht aus amerikanischer und russischer Luftwaffe, kurdisch-arabischen Truppen, die von den USA unterstützt werden, iranisch-schiitischen Milizen, russischen Eliteeinheiten und Soldaten von Baschar al-Assad.

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