Südwesten hängt Bayern ab

Baden-Württemberg meldet für Januar die geringste Arbeitslosenzahl in Deutschland. Experten erwarten, dass auch der positive Bundestrend anhält.

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Der Winter hat auf dem Arbeitsmarkt wie üblich Spuren hinterlassen. Dennoch trumpft Baden-Württemberg im Januar im Bundesvergleich auf. Erstmals seit einem Jahr ist der Südwesten in der Arbeitslosenstatistik am Dauerkonkurrenten Bayern vorbeigezogen. Die Arbeitslosenquote im Land betrug im Januar 4,1 nach 3,7 Prozent im Dezember, Bayern kam auf 4,2, der Bund auf 7,3 Prozent.

Trotz schwächelnder Konjunktur weist die Bundesagentur für Arbeit (BA) zum Jahresbeginn mit 3,082 Millionen die niedrigste JanuarArbeitslosigkeit seit 20 Jahren aus, obwohl die psychologisch wichtige Drei-Millionen-Marke erstmals seit neun Monaten überschritten wurde. Die Zahl der Erwerbslosen stieg im Januar verglichen mit dem Vormonat um 302 000, im Vergleich zum Jahresbeginn vor einem Jahr fiel sie aber um 264 000.

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, zeigte sich von der insgesamt positiven Entwicklung überrascht. Bisher gebe es keine Hinweise, dass deutsche Unternehmen in größerem Umfang Entlassungen planten, sagte das BA-Vorstandsmitglied Raimund Beckers. Er bestätigte damit die Einschätzung von Konjunkturforschern und einiger Großbanken, die eine nahtlose Fortsetzung des deutschen "Jobwunders" im laufenden Jahr nicht mehr ausschließen.

Das Münchner Ifo-Institut verwies nicht nur auf die nach wie vor gute Auftragslage der Firmen, sondern auch auf "die sehr günstigen Finanzierungsbedingungen" der Wirtschaft. Da keine Kreditklemme in Sicht sei, halte der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt wohl an.

Deutschland liegt auch im Vergleich zu den anderen 16 Euro-Staaten auf einem guten Kurs, wie die gestern veröffentlichten Arbeitslosenquoten für den Monat Dezember 2011 zeigten. Im Euro-Raum lag die Kennzahl wie im Vormonat bei 10,4 Prozent, meldete die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg. Spitzenreiter im negativen Sinne waren Spanien und Griechenland mit 22,9 und 19,2 Prozent Arbeitslosigkeit.

Die Entwicklung in Deutschland wird aber nicht nur positiv gesehen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte: "Jede zweite Neueinstellung erfolgt nur befristet. Rund ein Drittel der freien Stellen ist in der Leiharbeitsbranche."

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