Suche nach Opfern und Sündenböcken

Außer nach weiteren Opfern wird im Krasnodarer Hochwassergebiet nach Verantwortlichen gesucht. Erste Sündenböcke müssen büßen.

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Die Flutkatastrophe im Gebiet Krasnodar, bei der 171 Menschen umkamen, hat erste Konsequenzen gehabt. Der Krasnodarer Gouverneur Alexander Tkatschew entließ den Chef der Krymsker Rajonsverwaltung (Bezirksverwaltung), Wassili Krutko. "Es ist bewiesen, dass der Führung des Rajons die drohende Überschwemmung mindestens drei Stunden vor ihrem Beginn bekannt war", erklärte Tkatschew. "Aber Bewohner Krymsk haben mir gesagt, sie hätten keine Warnungen erhalten." Als nächster könnte der Wladimir Uljanowski, Bürgermeister von Krymsk, seinen Posten verlieren. Er räumte seine Mitverantwortung bereits ein. "Wenn es mir gesagt wird, dann gehe ich."

Nach Ansicht von Einwohnern hätten viele Opfer überleben können, wenn sie mit Sirenen und Lautsprecherwagen gewarnt worden wären, wie behauptet. Außerdem zirkulieren heftige Gerüchte, die über sieben Meter hohe Flutwelle sei entstanden, weil während der Regengüsse große Wassermassen aus Stauseen abgelassen worden seien. Der Gouverneur stellte fünf Einwohnern Krymsks einen Hubschrauber zur Verfügung, um die Stauseen zu besichtigen. Der flog aber, angeblich weil das Benzin knapp wurde, nicht zum Atakuawsker Staudamm. Die Bewohner vermuten, dessen Schleusen seien geöffnet worden, um ein oberhalb gelegenes Öllager zu schützen. Zunächst hatte Tkatschew sich vor die Beamten gestellt. "Wollt ihr etwa sagen, wenn man euch informiert hätte, wärt ihr aufgestanden und geflohen?" fragte er Geschädigte in Krymsk.

Beobachter glauben, Tkatschew habe den Verwaltungschef geopfert, weil er selbst unter Feuer geraten ist. Sergei Mironow, Duma-Fraktionschef der Partei "Gerechtes Russland" forderte Tkatschews Entlassung. Allerdings gilt das als unwahrscheinlich. "Die fahrlässigen Rajonsbeamten eignen sich gut als Sündenböcke", sagt der Moskauer Politiloge Jewgeni Mintschenko unserer Zeitung. Tkatschew habe enge persönliche Beziehungen zu Staatschef Vladimir Putin.

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