Stiller Machtkampf in der katholischen Kirche

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Schweigen ist manchmal sehr beredt. Mitte November wird der Brief von vier ultrakonservativen Alt-Kardinälen an Papst Franziskus an die Öffentlichkeit lanciert. Darin fordern die Kleriker das Kirchenoberhaupt ultimativ auf klarzulegen, wie Franziskus es nun hält mit dem Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene.

Das Thema ist in der katholischen Kirche von Relevanz. Es geht dabei um eine Grundsatzfrage. Was hat mehr Gewicht: Das Dogma von der Unauflöslichkeit der Ehe oder eine seelsorgerische Einzelfall-Entscheidung zugunsten von Menschen, die in ihrer Ehe gescheitert sind und einen Neuanfang wagen? Die vier alten Kirchenmänner wollen mit ihrem Schreiben Buchstabengenauigkeit ertrotzen. Einen mit dem Wort „Barmherzigkeit“ verbundenen Interpretationsspielraum für Einzelentscheidungen  lehnen sie ab. Der ganze, im gesäuselten Tonfall formulierte, Brief darf verstanden werden als eine Falle.

Doch so unerhört das allein schon ist, dem Brief folgen viele weitere Kapitel. Sie sind gefüllt mit dem Schweigen Vieler, die qua Amt in der katholischen Kirche etwas zu sagen hätten. Auch gibt es wie jetzt von Kardinal Müller Solidaritätsadressen, die auffallend lange auf sich warten lassen.

Sieht man vom Münchner Kardinal Reinhard Marx einmal ab, ist die öffentliche Rückendeckung für den Pontifex in Deutschland eher bescheiden. Auch in anderen Ländern der „alten Welt“ hält man sich bedeckt. Der unkonventionelle, oft deutlich formulierende Jesuit auf dem Petrusstuhl bringt alte Selbstverständlichkeiten durcheinander. Nach Jahren der Schockstarre wollen Ultrakonservative nun Terrain zurück. Der Kampf um den Kurs der Kirche tobt. Heftig.

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