Stifter in Gründerlaune

Die Finanzkrise schmälert die Erträge vieler Stiftungen. Dennoch hat ihre Zahl im letzten Jahr mit 18 946 ein neues Rekordhoch erreicht. Viele Neugründungen gab es auch in Baden-Württemberg und Bayern.

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Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn hat 2011 eine Stiftung zur Unterstützung Jugendlicher gegründet. Foto: dpa

Die Finanz- und Schuldenkrise macht vor allem den kleinen Stiftungen in Deutschland zu schaffen. Bei einem Stiftungskapital von bis zu einer Million Euro leiden diese Einrichtungen spürbar unter niedrigen Zinsen und fehlenden Anlagemöglichkeiten. Dagegen verzeichnet die Gruppe der großen Stiftungen mit Unternehmensbeteiligungen (Bosch, Volkswagen, Bertelsmann) konstante und sogar steigende Erträge. Hier gibt es keine realen Einbußen beim Stiftungsvermögen oder den verfügbaren Fördergeldern.

Der Jahresbericht 2011 des Bundesverbands Deutscher Stiftungen weist 18 946 Stiftungen des bürgerlichen Rechts in der Bundesrepublik aus, 817 mehr als im Jahr zuvor. Zwar ist die Wachstumsdynamik bei den Neugründungen nicht mehr ganz so ausgeprägt wie unmittelbar nach Inkrafttreten steuerlicher Erleichterungen für die Stiftungen im Jahr 2007, doch glaubt Verbandschef Wilhelm Krull: "Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird sich die Zahl der Stiftungen in Deutschland noch vor dem Jahr 2050 verdreifachen."

Deutliche regionale Unterschiede sind bei Bestand und Neugründungen zu verzeichnen. So wurden 2011 in Nordrhein-Westfalen (167), Baden-Württemberg (146) und Bayern (141) die meisten Stiftungen ins Leben gerufen. In diesen drei Ländern ist auch der Bestand am höchsten: Nordrhein-Westfalen (3661), Bayern (3471) und Baden-Württemberg (2847).

Dagegen rangieren die neuen Länder in beiden Statistiken weit hinten. Bei den Neugründungen entfielen im vergangenen Jahr lediglich 7,5 Prozent auf die fünf ostdeutschen Flächenländer.

Die Stadt mit der größten Stiftungsdichte bleibt Würzburg (80 Stiftungen pro 100 000 Einwohner) vor Frankfurt am Main (73), Hamburg (68) und München (64). Stuttgart (56) folgt auf Platz 10, Ulm (50) auf Platz 16. Potsdam (31) liegt als beste ostdeutsche Großstadt auf Rang 35, Berlin (21) auf Platz 49. Der Verband kündigte an, mit dem Deutschen Stiftungstag am 22. Juni in Erfurt gerade für Ostdeutschland neue Akzente für den Stiftungsgedanken setzen zu wollen.

Die Schwerpunkte der Stiftungsziele liegen unverändert in den Bereichen Bildung und Wissenschaft, Soziales, Kultur und Umwelt. Nach Worten von Verbandsgeneralsekretär Hans Fleisch kommt es in letzter Zeit immer häufiger zu Kooperationen privater Stiftungen untereinander sowie zur Zusammenarbeit der Stiftungen mit staatlichen Einrichtungen: "Bei Projekten zur Familienförderung oder zur Integration arbeiten immer mehr Kommunen mit Stiftungen zusammen."

Auch sucht die Bundesregierung in Zeiten knapper öffentlicher Mittel verstärkt den Kontakt zu diesem Sektor. Allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel und Sozialministerin Ursula von der Leyen (beide CDU), die bei aktuellen Initiativen die finanzielle Unterstützung privater Stiftungen einwarben.

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